Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 8. (1955)
AUER, Erwin M.: Erbritterwürde und Inkompatibilität im Deutschen Ritterorden
Erbritterwürde und Inkompatibilität im Deutschen Ritterorden 37 I. Vorgeschichte und Einführung der Erbritterwürde. Der adelige Aufstieg der dem Ritterstand angehörigen Familien wurde durch den Eintritt in Hof- und Staatsdienste wesentlich gefördert8). Auch verschiedene Angehörige des rheinischen Geschlechts der Waldbott von Bassenheim, das das Erbschenkenamt des Erzstiftes Mainz9) verwaltete, standen in Kurkölnischen, Kurtrierschen und vor allem in Kurmainzischen Diensten, ehe sie, wie schon früher ,als Soldaten, den Dienst des Kaisers, jedoch am Wiener Hof oder beim Reichshofrat, bzw. am Reichskammergericht suchten. So weilte der Freiherr Rudolf Johann 1704 als Edelknabe in Wien10) und bemühte sich ein Jahrzehnt später um eine Reichshofratstelle11 12), auf die er 1716 ein Exspectans-Decret erhielt15). Die kaiserliche Kämmererwürde 13) und die eines kaiserlichen Geheimen Rates 14) wurden von Familienmitgliedern 1748 und 1760 erlangt. Als Graf Johann Maria Rudolf15) dann um die 60er Jahre des 18. Jahrhunderts die keineswegs 8) Otto Brunner, Adeliges Landleben und europäischer Geist. Salzburg 1949. S. 38, 325 f., 336 f. — Derselbe, Bürgertum und Adel in Nieder- und Oberösterreich, in: Anz. d. phil. hist. Kl. d. Österr. Akademie d. Wissenschaften. Wien. Jg. 1949, S. 512 ff. 9) J. B. Junker, Beiträge zur Geschichte der Herrschaft Cransberg am Taunus und der Grafen von Bassenheim, in: Ann. d. Ver. f. Nassauische Alterthumskunde u. Geschichtsforschung. Wiesbaden 1864. Bd. 7, S. 207. 10) HHStA., Oberststallmeisteramt, SR. 15/16. — VA., Adelsarchiv, Reichsakten, Grafendiplom für Waldbott von Bassenheim, Laxenburg 1720 Mai 23, Konz., fol. 4v. 11) HHStA., Reichsarchive, Reichshofrat, Verfassungsakten, Fasz. 39, fol. 239 f„ 244 f. 12) Exspectans-Decret, Wien 1716 Oktober 1, Konz, (ebenda, fol. 246 f.). 13) HHStA., Oberstkämmereramt, Reihe C, Kämmerer-Ernennungen, Bd. 8, pag. 31 Nr. 504 zu 1748 Dezember 8. Dieser Eintragung folgend: [Wilhelm Pickl von Witkenberg], Kämmerer-Almanach. Wien 1903. S. 212. 14) Geheimratsdekret für Franz Ludwig Kasimir Gf. Waldbott von Bassenheim, Wien 1760 Dezember 20, Konz. (HHStA., Reichsarchive, Reichshofrat, Geheime Räte, Buchstabe B, fol. 315 ff.). ls) Eine Biographie des Gf. Johann Maria Rudolf Waldbott von Bassenheim fehlt heute noch. Erste Vorarbeit leistete der bereits Oben erwähnte Aufsatz Junkers, a. a. O., S. 210 ff. An wichtigsten Lebensdaten werden im folgenden genannt: geboren als Posthumus am 29. Juni 1731; studia humaniora in Koblenz, Trier und Würzburg, studia philosophica in Mainz, Historia et Jura durch 5 Jahre an den Universitäten in Mainz und Salzburg; Cavaliersreise nach Italien und Sizilien; 1752—1763 Kurmainzischer Hof- und Regierungsrat, auch Hof-Gerichtsrat und Kammerherr; 1758—1763 Kurmainzischer Oberststallmeister und Kurrheinischer Kreis-Direktorialgesandter; 1763—1777 Präsident des Reichskammergerichts; 27. September 1763 wirklicher Geheimer Rat; 1764 Ritterhauptmann der mittelrheinischen freien Reichsritterschaft; 1777—1805 Burggraf von Friedberg; stirbt am 15. Februar 1805 auf Burg Friedberg; begraben ursprünglich in Reifenberg, seit 30. Juni 1853 in der Kirche zu Kransberg. Vgl. die Chur-Mayntzischen Stands- und Staatsschematismen für die Jahre 1752 bis