Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung
WINKELBAUER, Walter Franz: Kaiser Maximilian I. und St. Georg
Kaiser Maximilian I. und St. Georg 531 Zweck der Gründung ist also die Unterstützung des Ordens in seinem Kampf gegen die Türken durch alle Katholiken. Er solle deswegen durch eine weltliche Bruderschaft, der Mitglieder beiderlei Geschlechts, jeglichen Standes und Ordens, als aktive die Waffenfähigen, als unterstützende alle anderen, angehören können, gewissermaßen eine breitere Basis erhalten28), und sie sei nach dem hl. Georg zu benennen. Die Stadt „Rayn“ in Krain29) solle eine ständige Besatzung von 2000—3000 Mann von Ordensrittern und anderen „religiosis viris“ erhalten, die so die dauernden Einfälle der Türken unterbinden, ja den Kleinkrieg in das türkische Gebiet selbst tragen könnten. Dies sind wohl die wichtigsten Anregungen, die der Hochmeister beigesteuert hat. Auch Maximilian war von der Idee dieses organisierten Grenzschutzes, der der Anfang der später so bewährten Militärgrenze hätte werden können, gepackt und erklärte, selbst für diese Niederlassung 500 Mark Gold zu spenden; doch mag dieser Passus auch nur Propaganda gewesen sein, um den Anreiz zu steigern. — Daß es Maximilian mit dem Projekt ernst meinte, mag man wohl glauben, doch nur wenn es ihn nichts kostete, denn man wird sehen, daß e r ja gerade diese Bruderschaft auch gründete, um sich auf billige Art ein Kreuzheer zu schaffen; denn Pläne hatte er ja ganz große, an dem hiefür nötigen Geld zu ihrer Ausführung fehlte es ihm indes immer. Die Verwaltung der einlaufenden Geldbeträge, besonders der beim Eintritt gespendeten Summen in der erforderlichen Höhe eines Kriegsdienstjahres, obliegt dem Hochmeister, der jährlich mit dem König über die Gebarung abzurechnen hat, die Verfügung über die Ausgaben liegt jedoch bei den vom König bestellten Hauptleuten. Ebenso ist es Sache des Königs, die Ritter aufzubieten, wie er sich auch das Verwendungsrecht über die zur Ritterschaft verpflichteten Fürsten, Grafen, Barone, Adeligen und Gemeinen vorbehält! Das sind nun ganz Maximilians eigene Ideen, hier läßt er deutlicher seine Absichten ahnen: die Bildung eines nur ihm gehorchenden Heeres, eines wirklich, zum Großteil sich selbst erhaltenden „Kreuzheeres“ unter dem hl. Georg war seine Absicht, mit dem er dann allerdings nicht nur seinen Lieblingsgedanken ausführen hätte können — er beschäftigte sich schon so intensiv damit, daß er seiner Umgebung den Feldzugsplan mit allen Einzelheiten, ja eine ganze Karte des künftigen Kriegsschauplatzes, aus dem Stegreif vorzeichnen konnte* 80) — sondern auch seine anderweitigen außenpolitischen Ziele in Reichweite gekommen wären. 28) „quandam extensionem“. 20) Rain bei Gurkfeld oder Rann an der Save; s. P. Kletler, Ritterorden und andere Gesellschaften im spät. Mittelalter, Mitt. d. St. Michael XX, Nr. 5, München 1925, S. 3. 80) Ulmann, a. a. 0., S. 206. 34*