Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung

WINKELBAUER, Walter Franz: Kaiser Maximilian I. und St. Georg

530 Walter Winkelbauer eröffnen versprach: Nämlich die Erweiterung des Ordens zu einer Bruder­schaft, oder Ergänzung durch eine solche, die ihm an Personal wie an Mitteln einen ständigen Nachschub geboten hätte. Bei dem alten Kaiser war er wohl mit seinen Vorschlägen nicht mehr durchgedrungen, bei dem jungen König indes, dem Siebenhirter an Ideenreichtum viel verwandter war, als dem doch eher seiner Generation angehörenden Kaiser Fried­rich III.. war die Aufnahme spontan positiv. Kam doch der Hochmeister den eigenen Plänen Maximilians derart entgegen, daß ihm ihre Verwirk­lichung greifbar nahegerückt schien. Schon einen Monat nach dem Tode des Kaisers — 19. August 1493 — erließ somit Maximilian von Innsbruck aus das Gründungsdekret für die St. Georgs-Bruderschaft23) mit den Statuten und näheren Be­stimmungen über die Mobilisierung eines Kreuzheeres. Diesem folgte am 26. September ein Revers Siebenhirters aus Millstatt24), in dem er sieh zu genauer Einhaltung der vom König erlassenen Ordnung und Übernahme der ihm und dem Orden auferlegten Funktionen verpflichtete. Im folgenden Jahr erließ Papst Alexander VI. am 13. April auf Ansuchen des Königs die Approbationsbulle25). Darin erklärte der Papst, er nehme selbst mit allen Kardinalen die Bruderschaft an; ferner verlieh er den Mitgliedern eine Menge von zum Teil sehr weitgehenden Ablässen und Indulgenzen. Besonders gelegen mußte Maximilian jedoch das zwei Tage später erlas­sene Breve gewesen sein 26), in dem der Papst zur Abwendung der Türken­gefahr öffentliche Prozessionen und Almosensammlungen angeordnet hatte; die gesammelten Gelder wären den Deputierten des Georgs-Ordens zu übergeben gewesen. Es ist hier nicht der Ort, die Statuten der Bruderschaft genau zu besprechen27), nur die wesentlichsten Punkte daraus seien hervorgehoben, um die Anteile Siebenhirters und des Königs daran zu sondern, wobei beider Ideen sich in vielen Punkten decken und überschneiden, sowie die Kreuzzugsidee Maximilians, die hier vor allem interessiert, darzulegen. as) 17. September. N. B. Wien, C. 347 (I) f. 1—4 u. C. 14177 f. 105 ff.; das erstere vielleicht das für den König bestimmte Exemplar der Statuten mit allen die Ereignisse von 1493—1494 betreffenden Urkunden. 24) A. a. 0., fol. 18 u. f. 111 v. 25) „Catholicae fidei“, Or. H.H.St.A., U.-A. 2«) 15. April, Rom, Or. H.H.St.A., U.-A.; das Breve scheint jedoch seine Adressaten — die Erzbischöfe und Bischöfe des Reiches -— niemals erreicht zu haben, befinden sich doch alle Exemplare — es sind über 50 Stück — beisammen. Das Urkundenpaket stammt aus dem Archiv des Georgs-Ordens, es hat also der Orden, wobei der Grund nicht bekannt ist, die Aussendung nicht weiter betrieben. 27) Dies erfolgte ausführlich, wie überhaupt alles den St. Georgsorden be­treffende, in meiner ungedr. Dissertation „Der St. Georgs-Ritter-Orden Kaiser Friedrichs III., Wien 1949.

Next

/
Oldalképek
Tartalom