Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung
WINKELBAUER, Walter Franz: Kaiser Maximilian I. und St. Georg
Kaiser Maximilian I. und St. Georg 529 Als der große Ungamkönig Matthias Corvinus im Jahre 1490 starb, erkannte Maximilian sofort die große Gelegenheit — jetzt war einerseits der große Widersacher seines Vaters tot, aber auch der starke Mann, den mit seinem Eliteheer, der Schwarzen Schar, auch die Türken nicht wagten ernstlich anzugreifen — jetzt konnte also die Führung im Türkenkampfe auf ihn übergehen! Er dachte, bezeichnend unrealistisch für ihn, gleich an eine deutsch-französische Liga zum Türkenkrieg19), obwohl er mit Frankreich noch immer im Streit lag um das burgundische Erbe. Von nun an verließ ihn diese Idee nicht mehr und wenn auch viel persönlicher Ehrgeiz und Streben nach dem Ruhm des Türkenbezwingers ihn beherrscht haben mochten, zum nicht geringen Teil muß Maximilian doch auch das Streben eines Idealisten nach Ausbreitung des christlichen Glaubens und endlicher Befreiung des Abendlandes vom türkischen Alpdruck zugebilligt werden. Beides ist in allen späteren Handlungen des Kaisers verquickt, und der Beschauer mag je nach dem Standpunkt bald das eine, bald das andere mehr hervortreten sehen und ihn danach beurteilen. Auch während der letzten Waffengänge in Frankreich im Jahre 1492 ließ Maximilian die türkische Frage nicht aus den Augen 2°) und kaum hat er den Kampf durch den Frieden von Senlis im nächsten Jahr beendet, da trifft er sich in seinen Absichten mit denen des Hochmeisters des St. Georgs-Ordens, so daß er die Gedanken Siebenhirters sofort bereitwilligst aufgreift und bald selbständig und immer variierend weiter verfolgt. Siebenhirter, ehrlich durchdrungen von seiner Aufgabe, den Orden zu einem Instrument im Glaubenskampf gegen den Türken zu machen — er hatte gleich anfangs die halbverfallenen Gebäude des Stiftes Millstatt tatkräftig zu einem starken Bollwerk ausgebaut, so daß die Türken bei ihren Einfällen gar nicht mehr versuchten, den Ordenssitz zu berennen, sondern daran, wenn auch hohnlachend über die Hilflosigkeit der hinter ihren Mauern Schutz suchenden wenig zahlreichen Ritter, vorbeizogen und das offene Land plünderten21) — konnte jedoch die inneren Mißstände im Orden, hervorgerufen durch die halben Maßnahmen Kaiser Friedrichs in Bezug auf materielle Ausstattung bei der Gründung und die Weiterungen, die die Eingliederung des Bistums Wiener Neustadt in den Orden hervorrief22), aber auch die Gleichgültigkeit der Zeitgenossen dem Orden und seiner Aufgabe gegenüber nicht überwinden. Um nun dem abzuhelfen, hatte er einen besonderen Plan im Sinn, der, wenn nur verwirklicht, alle Schwierigkeiten für den Orden zu beseitigen und diesem ein grandioses Betätigungsfeld im Sinne seiner Stiftung zu 19) Ulmann, a. a. O., S. 208. 29) A. a. O. 21) Heinrich Hermann, Handbuch I; ders. in Carinthia 1825, S. 99 b. 22) 1479, Juni 24, Bulle „Ex supreme majestatis“, St. Peter, Or. H.H.St.A. Wien; s. Monumenta Habsburgica 1/3, 12. Mitteilungen, Band 7 34