Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung

WINKELBAUER, Walter Franz: Kaiser Maximilian I. und St. Georg

528 Walter Winkelbauer wehrlos, ja gelähmt und zu einem geordneten Widerstand zur Verteidigung ihrer bis zur Erschöpfung gemartertem Länder nicht mehr befähigt14). Diese Lage konnte auch dem im fernen Märchenland Flandern weilenden Maximilian nicht verborgen bleiben, ja sicher verschloß er sich dem Problem nicht und besonders nach seiner Wahl zum Römischen König im Jahre 1486 beschäftigte er sich immer häufiger mit der Türkenfrage. Denn war er ja seiner Ansicht nach schon von Geburt an irgendwie durch höhere Absicht hiezu prädestiniert, so wurde ihm doch auch ganz natür­lich durch seine politische Stellung an der Donau und in den vorläufig am ärgsten der Kriegsgeißel ausgelieferten Alpenländern die Rolle des Türkenbekämpfers gebieterisch auferlegt15). Daß aus all seinen Plänen und Projekten jedoch nichts wurde, lag zum Großteil auch an dem König selbst, der sich fast immer nur von seinen augenblicklichen Impressionen leiten ließ16), — dies macht indes auch einen Großteil des eigenartigen Reizes aus, der von dieser Persönlichkeit an der Schwelle zwischen Mittelalter und Renaissance ausgeht — und seine Entwürfe ständig wechselte, sowie an der Vernachlässigung der Innen­politik zugunsten der Außenpolitik, so daß der König mit dieser immer scheitern mußte, sobald er vom Reiche selbst infolge seiner unglücklichen Innenpolitik keine Gefolgschaft für seine äußeren Aktionen erhielt, mögen diese auch zeitweise wirklich berechtigt gewesen sein. So fand Maximilian in seiner Frankreichpolitik nicht die Unterstützung der Reichsstände, eben aus seiner verfehlten Innenpolitik heraus und eben darum versagten die Stände ihm auch ihre Gefolgschaft, wenn er für einen großangelegten Türkenkrieg plädierte, — die Frage Krieg mit Frankreich oder Türken­krieg war, wie auch sonst, da er nie wußte, was er wirklich fest verfolgen sollte, indem immer eine Aufgabe die andere behinderte, so auch hier das große Dilemma seines Lebens 17), - indem sie ihm dann nicht mehr recht glaubten und er versäumt hatte, durch eine feste Innenpolitik sie für seine Gefolgschaft zu gewinnen. So ist es die große Tragik Maximilians, daß sein großartigster Ge­danke, eben die „Georgsidee“, wie man sie ruhig nennen kann, der große Kampf des Abendlandes gegen den Islam unter seiner Führung — wie die ehemaligen Kreuzheere hinter dem Banner und Wappen des hl. Georg — „über das Reich der Ideen, Manifeste und literarischen und künstlerischen Idealisierungen nicht hinausgekommen ist“ 18). 14) S. Franz Ilwolf, Die Einfälle der Osmanen in der Steiermark, Mitt. d. hist. Ver. f. d. Steierm., IX, X, XI, Graz 1860—1862. !3) Ulmann, a. a. 0., S. 204. 16) S. Andreas Walther, Die neuere Beurteilung Kaiser Maximilians I., MIÖG. 33, 1912, S. 337 f. 17) S. Ulmann, a, a. O. 16) A. Walther, a. a. 0., S. 330.

Next

/
Oldalképek
Tartalom