Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 7. (1954) – Festgabe zur Hundertjahrfeier des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung

WINKELBAUER, Walter Franz: Kaiser Maximilian I. und St. Georg

Kaiser Maximilian I. und St. Georg 527 lagerung geteilt10), und ward so und auch in Ansehung seiner wirtschaft­lichen Tüchtigkeit ein Vertrauter des Kaisers. Als solcher hat er nun ohne Zweifel, einmal zum Oberhaupt des Ordens vorgesehen, mit Kaiser Fried­rich so manche Angelegenheit in Betreff der Errichtung des Ordens be­sprochen, wodurch die Verbindung zwischen ihm und dem Kaisersohn natürlich keine flüchtige mehr gewesen sein mag. Auch die Erzählungen seines kaiserlichen Vaters über dessen Romfahrt und von den feierlichen Zeremonien der Bestätigung der Ordensgründung im Beisein von Kardi- nälen und vielen weltlichen Herren durch Papst Paul II. am 1. Jänner 1469 im Lateran11), der feierlichen Einkleidung und Profeß Siebenhirters am selben Tage, seiner Erhebung zum Ritter durch den Kaiser und Weihe zum Hochmeister durch Übergabe des Vexillums von Seiten des Papstes 12) mag der Knabe verschlungen haben. Hier mag auch der Grund liegen für die spätere Neigung des Herrschers zur Veranstaltung ähnlicher eindrucks­voller, prunkhafter Zeremonien, die bei ihm dann jedoch oft ein wenig theatralisch wirken sollten. Wenn nun auch bis zum Regierungsantritt Maximilians im Jahre 1493 keine Nachrichten über seine Beziehungen zu dem Heiligen oder dem Ritterorden vorliegen, daß der lebhafte Prinz und spätere König trotz der Ablenkung durch die burgundische Heirat und der damit auftretenden jahrelangen Händel mit Frankreich seine „Sendung“ nicht vergessen haben wird, dafür sorgte schon auch einerseits die mit seiner Heirat von seinem toten Schwiegervater übernommene gleichgerichtete Tradition — an der Spitze der Christenheit die Türken aus Europa zu jagen12a), indes dem Schwiegervater auch hierin ähnlich, daß er seinen Wunschtraum wegen dauernder Ablenkung anderwärts nie ausführen konnte — ander­seits ließen ihn auch die Glocken von St. Stephan in Wien, die jeweils am Gedächtnistag der Befreiung von Belgrad im Jahre 1456 zum Gebet für die Gefallenen riefen13), seine Aufgabe nie vergessen. Sodann war gerade die Zeit von 1469 bis 1483 die des fürchterlichsten Wütens der Türken in Innerösterreich. Fast jedes Jahr brachte einen Ein­fall ihrer Raubscharen. Die so gepeinigten Bewohner waren vor Angst fast 10) S. Fugger, Spiegel der Ehren des Erzhauses Österreich, 695; Hieron. Pez, Scriptores Rerum Austriacarum II, 609 ff.; Bachmann, Deutsche Reichgeschichte im Zeitalter Friedr. III. u. Maxim. I., 1884, I. Bd., S. 322, nach Michael Behaims Buch von den Wienern, 56—72. 11) Original Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Wien, Urk.-Abt. 12) S. Urkunde des Bischofs Michael v. Pedena, 1469, Mai 14., Or. H.H.St.A. Wien, Urk.-Abt.; Schilderung des Vorganges auf einem gotischen Tafelbild aus der Zeit um 1500 bis 1510, einst im Gang des Stiftes Millstatt, jetzt im Museum des Geschichtsvereines Klagenfurt, Abbildung bei Suida, Österr. Kunstschätze, Jg. 3, Tafel 1. 12a) S. Emil Dürr, Karl der Kühne und der Ursprung des habsburgiseh­spanischen Imperiums, HZ, Nr. 113, 1914, S. 52 f. 13) Ulmann, Kaiser Maximilian I., I. Band, S. 206, nach Cuspinian.

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