Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)
GUTKAS, Karl: Ein niederösterreichisches Herrschaftsurbar aus dem 14. Jahrhundert
Ein niederösterreichisches Herrschaftsurbar 39 minus ad quem erscheint das Jahr 1414, da damals Dominikalgut gewordene Besitzungen noch verzeichnet sind. Der Name des Pflegers von Ochsenburg als Besitzer der Neumühle ist unwichtig, da diese Eintragung auf Rasur steht. Bei welchem Anlaß wird die vorliegende Fassung wohl entstanden sein? In späterer Zeit war es beim Verkauf der Herrschaft Ochsenburg üblich, daß eiin Urbar, in dem die Besitzungen verzeichnet waren, dem Käufer ausgehändigt wurde. Als das Kloster St. Pölten im Jahre 1530 Ochsenburg an Veit Laßberger verkaufte, geschah die Übergabe „nach laut und Inhalt eines versigelten pergamenen urbar puechs, darin alles klarlicher anzaigt und von stuclcch zu stuckch verfast und beschriben worden“ 23). Auch bei späteren Besitzerwechseln wird stets ein „uraltes ur- barpuch“ erwähnt. Es steht wohl außer Zweifel, daß die Vorlage zu unserem Urbar im Jahre 1374 anläßlich des Verkaufes der Herrschaft durch die Wallseer angelegt worden ist. Wir müssen also annehmen, daß unsere Handschrift anläßlich des Verkaufes Ochsenburgs durch Hans Püsen- dorfer geschrieben worden ist, wobei die im Jahre 1374 angelegte Fassung so getreu abgeschrieben wurde, daß auch die Intitulatio stehen blieb. Die in der Zwischenzeit erworbenen Güter sind natürlich aufgenommen worden. B. Die Urkunden. Die gemeinsam mit dem Urbar gefundenen 27 Pergamenturkunden stammen aus dem 14. bis 17. Jahrhundert und umfassen die wichtigsten Dokumente zur Geschichte der Herrschaft Ochsenburg. Wer allerdings viele neue Daten aus ihnen erwartet, wird enttäuscht werden. Bisher in der Literatur nicht verwertete Daten finden sich nur für das 16. Jahrhundert, die aus dem 14. Jahrhundert stammenden Stücke sind auch im Kopialbuch C des St. Pöltner Chorherrenstiftes eingetragen und bereits von Josef Lampel im Urkundenbuch des Stiftes St. Pölten, das bis 1400 reicht, ediert worden. Im Original liegen nun die Urk. N.-Ö. U.B. Nr. 176, 361, 681, 682, 710, 731, 751, 755, 761, 762, 797 und 828 vor. Sechs Originale stammen aus dem 15. Jahrhundert, acht aus dem 16. und eine Urkunde aus dem 17. Jahrhundert. Zur Ergänzung des Verzeichnisses der erhaltenen Originale des St. Pöltener Klosterarchives im Gesamtinventar des Haus-, Hof- und Staatsarchives seien die neu gefundenen Dokumente in Form eines kurzen Regestes wiedergegeben. 1. 1414, Juni 4. Wolfgang der Rieder von Badendorf und seine Frau verkaufen dem Kloster St. Pölten ihre Wiese in der Bergwiese in der Wilhelmsburger Pfarre. 2. 1437, Dezember 4, St. Pölten. Leonhard Meylauer, Pfleger zu Ochsenburg, verpflichtet sich, die Zinse, die->3) Folg. Reg. Nr. 1.