Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)

GUTKAS, Karl: Ein niederösterreichisches Herrschaftsurbar aus dem 14. Jahrhundert

Ein niederösterreichisches Herrschaftsurbar 35 hat, und das er und seine Ministerialen kolonisiert haben2). Vielleicht noch im 12. Jahrhundert sind die Neidberger in den Besitz von Ochsen­burg gekommen, von denen es um das Jahr 1360 — das genaue Datum ist nicht bekannt — von der Drosendorfer Linie des Hauses Wallsee er­worben wurde3). Am 1. April 1374 haben Wolfgang IV. und Ulrich IV. von Wallsee-Drosendorf die Feste Ochsenburg und die Lehenschaft der dortigen Kapelle samt allen Besitzungen und Gülten, die zur Herrschaft gehörten, dem Hans Püsendorfer um 1400 Pfund Wiener Pfennige ver­kauft4). Dieser hat Ochsenburg neun Jahre später, im Jahre 1383, dem Kloster St. Pölten abgetreten5 6). Dieses mußte die Herrschaft im Jahre 1530 abtreten, konnte sie aber im Jahre 1700 wieder erwerben0). Aus diesem Grunde waren die gefundenen Archivalien einst Teile des Archives des St. Pöltner Chorherrenstiftes. Der größte Teil des ehe­maligen Klosterarchives ist nach der Aufhebung des Stiftes im Jahre 1784 vom Staat übernommen worden und befindet sich heute im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien7). Der kleine, hier besprochene Bestand ist aber aus unerfindlichen Gründen getrennt worden, in die Feßler’sche Bibliothek ge­kommen und somit in St. Pölten verblieben. Seine Geschichte wollen wir kurz verfolgen. Im Kopialbuch C des Chorherrenstiftes8 9), das um 1460 angelegt wor­den ist, ist bereits eine Gruppe Ochsenburg eingetragen. Die gefundenen Originale tragen die dort verwendeten Gruppentitel und die Dorsualnotizen der Urkunden stimmen mit den Eintragungen im Kopialbuch C überein. In einem Archivinventar des Chorherrenstiftes vom Jahr 1688 ist eben­falls ein „bund Oxenburger Sachen“ eingetragen, ein Zeichen, daß die Archivalien beim Verkauf der Herrschaft im Jahre 1530 nicht übergeben worden sind"). Unter Propst Christoph Müller von Prankenheim (1688 bis 1715) ist dann das Klosterarchiv neu geordnet und inventarisiert worden. Dies kann nur nach 1700 geschehen sein, denn alle Urkunden in unserem Bestand, die aus der Zeit zwischen 1530 und 1700 stammen und erst an­läßlich des Wiederkaufes der Herrschaft ins Klosterarchiv gekommen sein können, tragen bereits die neuen Signaturen. Latzke, der die Müller’sche Ordnung entschlüsselt hat, stellte fest, daß die Ochsenburger Materialien 2) K. G u t k a s, Der Besitz der steirischen Otakare im oberen Traisen- und im Gölsental, in Unsere Heimat 1953, S. 201. 3) Top. v. Nieder Österreich Bd. VII S. 433. 4) Niederösterr. U.B. II Nr. 681. 5) Ebenda Nr. 753. 6) Vgl. folg. Reg. Nr. 7 und Top. v. N.-Ö. VII S. 433. 7) Eine Geschichte des Klosterarchives v. W. Latzke in Gesamtinv. d. H.-, H,- u. St.-Arch. Ill S. 491 ff., ein Verzeichnis des erhaltenen Bestandes findet sich ebenda S. 634 ff. 8) H.-, H.- u. St.-A., Hs. Böhm Nr. 174. 9) Gesamtinv. Ill, S 497. 3*

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