Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)

WEINZIERL-FISCHER, Erika: Visitationsberichte österreichischer Bischöfe an Kaiser Franz I. (1804–1835)

Visitationsberichte österreichischer Bischöfe an Kaiser Franz I. 249 gotsch die Schaffung einer kaiserlichen Ehrenmedaille für Verdienste im Unterrichtswesen vor 15). Erfreulicherweise nahm aber der Schulbesuch überall von Jahr zu Jahr zu16). So besuchten z. B. in der Diözese Brünn 1820/21 um 15.038 mehr Kinder die Schule als 1816/17, so daß man eine Erweiterung der Schulgebäude in Betracht ziehen mußte. Aber auch die Lehrer dieser Diözese litten Not und baten um Auszahlung ihres Schulgeldes, das sie bis­her noch immer in Wiener Währung 17) erhalten hatten, in Conventions- Münze, „damit sie, von den sie drückenden Nahrungssorgen mehr befreyt, sich ganz ihrem Berufe widmen“ könnten 18). Im Gebirge war der Aufbau des Schulwesens naturgemäß viel schwie­riger als im Flachland. So gab es z. B. in den zwei Dekanaten des unteren Rosentales in Kärnten 1824 nur drei Volksschulen und auch in diesen war der Besuch wegen der mühsamen Wege nur gering. Im Dekanat Tainach waren 750, im Dekanat Friesach 660 Kinder ohne Unterrichtsmöglichkeit. Manche Priester unterrichteten daher im Winter in den Pfarrhöfen19). Obwohl in den gebirgigen Dekanaten der Erzdiözese Wien (Baden, Pot- tensteiin) sich dem Schulbesuch ähnliche Hindernisse entgegenstellten, waren die Eltern doch so sehr von dessen Nützlichkeit und Notwendigkeit überzeugt, daß manche bei Schlechtwetter ihre kleineren Kinder auf den Armen zur Schule trugen. Auch der Unterricht selbst fand die Zufrieden­heit Erzbischof Firmians, der das steigende Niveau des Volksschulwesens „vorzüglich dem Klerus“ zuschrieb20). In den Marchfelder Dekanaten war die Qualität des Unterrichtes unterschiedlich, vor allem Gesang und Musik wurden kaum gelehrt, obwohl die Eltern dies wünschten21). Das Schul­wesen der Dekanate Neunkirchen, Kirchberg am Wechsel uind Kirchschlag wies etliche Mängel auf. Es gab dort trunksüchtige Lehrer und durch die Abgeschiedenheit von anderen Menschen, „welche die Kinder ordentlich blöde macht“, die schlechten oder beschwerlichen Wege, Mangel an Beklei­dung und Verwendung der Kinder zum Viehhüten hervorgerufene schlechte Lernerfolge 22). Nur vier gute Schulen fand Bischof Frint im St. Pöltner Dekanat Waidhofen. Trunksucht einiger Lehrer, die die Kinder mißhandelten und Tanzmusik, gespielt von Schulgehilfen, trugen nicht zur Hebung des päd­agogischen Ansehens bei. In der Pfarre Ybbsitz konnten 183 Kinder wegen der weiten Entfernungen überhaupt nicht die Schule besuchen. Frint ord­«) 1811 IV 3. K.F.A. 231/14/1. 16) In Mähren besuchten 1791 108.714 und 1824 224.471 Kinder die Schule. Strakosch-Grassmann, a. a. 0., S. 130, Anm. 1. 17) Siehe oben S. 241. i») 1823 VII 15. K.F.A. 231/12/6. i°) 1824 XI 21. K.F.A. 233/38/5.-°) 1826 VI 12. K.F.A. 239/97/4. 21) 1826 VI 12. K.F.A. 239/97/4. 22) 1828 II 22. K.F.A. 239/97/5.

Next

/
Oldalképek
Tartalom