Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)
WEINZIERL-FISCHER, Erika: Visitationsberichte österreichischer Bischöfe an Kaiser Franz I. (1804–1835)
246 Erika Weinzierl-Fischer gegenüber der Person des Kaisers 56) ist in den Usancen des höfischen und gesellschaftlichen Zeremoniells der Zeit begründet. — Verwendet57) wurden für diese Arbeit nur die Relationen aus allen auf dem Boden des heutigen Österreich liegenden Diözesen, den im Norden und Süden angrenzenden, meist gemischtsprachigen Bistümern Budweis, Brünn, Trient, Laibach und Görz und zum Vergleich noch jene aus einigen entfernteren Diözesen der österreichisch-ungarischen Monarchie, wie z. B. Erlau, Großwardein oder Bukowina. Die Visitationen, auf Grund deren die Berichte erstattet wurden, waren meist mit der Spendung der Firmung verbunden58) und bedeuteten für die Bischöfe eine große psychische und physische Anstrengung. So hatte z. B. Bischof Hohenwarth bei einer Visitationsreise einen Unfall, an dessen Folgen er lange litt59 60) und Erzbischof Gruber zog sich bei seinem Versuch, die Manharter im Brixental zu bekehren 30), eine ernstliche Erkrankung zu. Bischof Frint benötigte für die Visitation einer Pfarre einen ganzen Tag, eine größere beanspruchte sogar zwei Tage. Er las dabei überall selbst eine Messe und hielt darnach eine Ansprache an das Volk. Dann wurde das Sakrament der Firmung gespendet und anschließend der Zustand des Friedhofes, der Kirche und des Pfarrhofes untersucht und der Schule ein Besuch abgestattet, wobei der Bischof jede Klasse prüfte. Am Nachmittag wurden die Aussagen des Ortsgerichtes, des Gemeindeausschusses, der Vogtei- und Ortsobrigkeit, der Seelsorger und Lehrer zu Protokoll genommen und die Pfarrmatrikeln sowie die Pfarr- und Armeninstitutskassen kontrolliert61)- — Auf diese Weise mußten die Bischöfe einen gewissen Einblick in die jeweiligen Verhältnisse gewinnen und was sie auf ihren Visitationsreisen im Verlaufe von drei Jahrzehnten sehen konnten oder wollten und wie sie dazu Stellung nahmen, will die vorliegende Arbeit kurz zeigen. 56) Z. B. „Erlauben Eure Majestät, daß ich im Geiste mich alleruntertänigst zu Füßen lege, und mit dem heißesten Dank gegen Gott die Hand des zu dem Heile von Millionen Unterthanen noch erhaltenen allergnädigsten Vaters und Herrn in tiefster Ehrfurcht und Unterthanstreue küsse.“ 1826 VI 26, Erzbischof Gruber von Salzburg, K.F.A. 237/73/10. — Der Kaiser war im Frühjahr 1826 von einer schweren Krankheit heimgesucht worden und wurde nach seiner Genesung vom Volk jubelnd begrüßt. Bibi, a. a. O., S. 317. 57) Vorhanden sind in 9 Faszikeln (K.F.A. 231—239) die Berichte aus 73 Diözesen. Während der Drucklegung dieser Arbeit wurde der Bestand neu kartoniert und ist nunmehr in den K.F.A. Karton 215—223 zu finden. Die Konkordanz der Signaturen ist folgende: alt 231 = neu 215 und ad 215; 232, 233 = 216; 234 = 217; 234, 235 = 218; 235 = 219; 236 = 220; 236, 237 = 221; 238 = 222; 239 = 223. 58) Bischof Hohenwarth hatte innerhalb von 8 Jahren auf 8 Visitationsreisen 127.600 Personen gefirmt. 1823 XII 7, K.F.A. 235/50/10. 5») 1820 XI 28. K.F.A. 235/50/8. 60) Siehe unten S. 302. 61) 1829 XI 1. K.F.A. 237/72/15.