Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)
WEINZIERL-FISCHER, Erika: Visitationsberichte österreichischer Bischöfe an Kaiser Franz I. (1804–1835)
Visitationsberichte österreichischer Bischöfe an Kaiser Franz I. 245 und besonders vertraulich behandeln wollte44), hat sie auch sehr genau gelesen45 46). So manche staatliche Verordnung, wie z. B. die Umwandlung der deutschen Volksschulen in Krain in kraitnische Trivialschulen 4ß), ging zweifellos auf eine bischöfliche Anregung zurück, wenn auch die Stimme des Gesprächspartners — die kaiserlichen Antworten47) und staatlichen Verordnungen und Erlässe — hier nicht berücksichtigt werden kann. Daß einige Bischöfe sogar entscheidenden Einfluß besaßen, beweist die Tatsache, daß Erzbischof Gruber — vom Kaiser 1824 wegen der Besetzung der vakanten Bistümer Seckau und Lavant um Rat befragt — Roman Zän- gerle und Ignaz Zimmermann empfahl 48) und dann tatsächlich diese beiden Kandidaten ernannt wurden. Die Berichte selbst wurden im allgemeinen nicht regelmäßig erstattet und sind auch in der Art ihrer Abfassung und ihrem Umfang nach sehr unterschiedlich. Vom Brixiner Bischof Lodron liegen nur wenige und sehr knapp gehaltene Berichte vor49); aus manchen italienischen50) oder ungarischen 51) Bistümern gar keine, während die Bischöfe von Linz, St. Pölten und Wien besonders häufig und ausführlich berichteten. Zahlreiche Bischöfe beantworteten der Reihe nach die vom Kaiser gestellten Fragen 52). Die Berichte des josephinisch gesinnten Bischofs Schaffgotsch von Bud- weis Zeichen sich durch einen besonders gut durchdachten Aufbau aus53L Sehr lebendig schrieb der Großglockner-Bezwinger Hohenwarth, der sich als Generalvikar in Klagenfurt „viel ruhiger und zufriedener“ gefühlt hatte als als Bischof von Linz54). Sein Nachfolger Gregor Ziegler schilderte Natur und Kunst der visitierten Gegenden in poetischer Manier55). Die fast in allen Berichten zum Ausdruck kommende Unterwürfigkeit 44) Fritz von Reinöhl, Das habsburgisch-lothringische Familienarchiv, Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs 2, 1937, S. 31. — Heute zum großen Teil der Bestand Kaiser-Franz-Akten des Kabinettsarchivs. Ebendort S. 127. 45) „Es muß Mir der beinahe in allen kanonischen Visitationsberichten der Bischöfe vorkommende Umstand nothwendig auffallen ...“ Franz I. an den Obersten Kanzler 1809 II 5, Meynert, a. a. O., S. 222. 46) Siehe unten S. 252. 47) So erhielt z. B. Bischof Hohenwarth von Linz nach jedem Bericht ein Handbillet mit dem Ausdruck der kaiserlichen Zufriedenheit. Als dies einmal nicht der Fall war, zeigte er sich sehr beunruhigt: „Ich bin mir in meinem innersten Gewissen nicht bewußt, Eure Majestät jemals beleidiget zu haben. Mir wäre der Tod weit erwünschter als der Verlust der Gnade meines gnädigsten Monarchen.“ 1823 XII 2. K.F.A. 235/50/10. «) 1824 III 13. K.F.A. 237/73/2. 49) K.F.A. 231/11/1, 2. 50) Z. B. Chioggia und Lodi. 51) Z. B. Fogaras. 52) Siehe oben S. 242, Anm. 19, 20. 53) Z. B. 1811 IV 3. K.F.A. 231/14/1. 54) 1819 XI 11. K.F.A. 235/50/6. 55) Z. B. 1831 XII 10. K.F.A. 235/50/30.