Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)

BENNA, Anna Hedwig: Organisierung und Personalstand der Polizeihofstelle (1793–1848)

231 Organisierung und Personalstand der Polizeihofstelle II. Die Polizeihofstelle verkörpert entsprechend ihrer Genesis einen eige­nen Behördentyp. Zeitlich war sie weit jünger als andere Hofstellen, welche noch irgendwie einen Zusammenhang mit den spätmittelalterlichen Typen der politischen und Finanzbehörden, Kanzleien und Kammern, aufwiesen. Geschaffen für die Aufgabe, die Anordnungen der Regierung in Polizei - Sachen und überhaupt zu überwachen und mit Hilfe untergeordneter Poli­zeibehörden und teilweise auch der Landesregierungen für die Sicherheit des Monarchen, des Staates zu sorgen, war ihr Zusammenhang mit der Person des Monarchen, bzw. im Falle des regierungsunfähigen Kaisers Ferdinand mit der ihn vertretenden Staatskonferenz, ein besonders enger. Als Pergen sich aus Gesundheitsrücksichten von seinen vielfachen Amtsverpflichtungen mit Ausnahme der Leitung der Polizei zurückzog196), erhielt er vom Kaiser den Auftrag, sich für sein Büro die nötigen Kräfte aus dem Stand der n.-ö. Regierung auszuwählen. Pergen entschied sich für die beiden Sekretäre bei der n.-ö. Regierung Schilling und Mähren­thal197), deren Amtstätigkeit er später lobend gedachte198). Nach Pergens Rücktritt mußte man die beiden inzwischen zu Hofsekretären Beförderten bei andern Behörden unterbringen. Der Oberst Kanzler riet, die beiden, da der mit der Leitung der Polizei beauftragte Regierungspräsident um ihre Versetzung an die n.-ö. Regierung ersuchte, beim Polizeireferat der Regierung zu beschäftigen. Die Hofkammer stimmte, obwohl der Personal­stand der n.-ö. Regierung schon zureichend war, dieser Rückversetzung zu 199). Nach seiner Wiederberufung 1793 holte Pergen Schilling und Mähren­thal in seine neue Hofstelle, wobei er die Zusicherung für einen jederzeit möglichen Abgang der beiden als referierende Räte an die Landesregierung erlangte 200). Ungenannt im Personalstand der Polizeihofstelle blieb Per­gens persönlicher Vertreter, der Direktorialhof rat Graf Saurau, der die Geschäfte der Polizeihof stelle in den Sommermonaten, wenn Per gen von Wien abwesend war, führte. Pergen hoffte, daß es Saurau bald ver­gönnt sein werde, den Platz eines Landeschefs einzunehmen und suchte die Ernennung Sauraus zum Geheimen Rat zu erreichen201). Nach Sauraus Abgang 1799 fand Pergen einen neuen Substituten in Gestalt des aus Vor­derösterreich geflüchteten Freiherren von Sumerau, der ihm und gleich­zeitig der n.-ö. Regierung zugeteilt worden war. 1801 wurde Sumerau zum 196) Vgl. oben S. 210 f. 197) Archiv f. N.-Ö. P-Index n. 337, 360/1789. StR 777/1789. B e n n a, a. a. O., S. 232. 108) STR 854/1789, Benna, a. a. O., S. 232. 19°) STR 4651/1791. Benna, a. a. O., S. 232. 200) PHST 8/1793, Benna, a. a. O., S. 233. 201) PHST 1/1793, Benna, a. a. O., S. 233, 234.

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