Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 6. (1953)
BENNA, Anna Hedwig: Organisierung und Personalstand der Polizeihofstelle (1793–1848)
226 Anna Hedwig Benna hielt162), mußte trotz persönlicher Animosität gegen Sumerau zugeben, man täte besser daran, das bestehende System der Unterordnung der Polizeidirektionen unter die Polizeihofstelle beizubehalten, als letztere aufzulösen und ihren Agendenkreis durch die in.-ö. Landesregierung oder die Hofkanzlei besorgen zu lassen163). Stahl bemängelte vor allem das mangelnde Zusammenspiel von Staatskanzlei und Polizeihofstelle in den staatspolizeilichen Angelegenheiten, das trotz regen Notenwechsels von beiden Seiten offenbar noch unzulänglich blieb. Die Zusammenarbeit zwischen Polizeihofstelle und den ihr unterstehenden Postlogen 164) in Mailand und Venedig mit der Staatskanzlei wurde im Zeitalter Metternichs intensiver, 1817 konnte Sedlnitzky Metternich mehrere, aus der neapolitanischen Kurierpost stammende Interzepte vorlegen 165). Das Arbeitsgebiet des Hof- rats Ratoliska vom der Polizeihofstelle bildete die preußische sowie die russische Botschaft. Es gelang Ratoliska aus Brieffetzen ein Ganzes, sogenannte Chiffons, herzustellen und der Staatskanzlei damit wertvolle Informationen in die Hand zu geben166). Der Kampf Metternichs zur Durchsetzung der beharrenden Kräfte gegen die Kräfte der Revolution entwickelte eigene Formen der Überwachung. Die Mainzer Zentralpolizei war eine Schöpfung Metternichs als Organisation und Zentralisation des Kampfes gegen die organisierten und zentralisierten Kräfte der Revolution167). Den Anstoß zur Gründung der Mainzer Zentralpolizei gaben die Nachrichten, welche Metternich 1833 von einer Vereinigung der französischen Liberalen mit ihren Gesinnungsgenossen in Baden, Hessen, Nassau und der Rheinpfalz zur Revolutionie- rung Deutschlands erhielt168). Metternich schritt an die Errichtung einer zentralen Überwachungsbehörde, die schließlich im Einvernehmen und mit Teilnahme der Regierungen Österreichs, Preußens, Bayerns und Württembergs in Mainz geschaffen wurde. An dem Ausbau der Mainzer Unter162) st K ad Polizei Fz. 71. Mémoire an den herrn minister grafen von Stadion gerichtet über eine zweckmässige Einrichtung der höheren Staatspolizei in der residenzstadt Wien sowie den übrigen polizeizweigen. Ein Schriftvergleich ergab die Autorschaft des späteren Staatsrates Philipp v. Stahl. Benna, a. a. O., S. 189. 163) Ebenda. 164) Zu den Postlogen vgl. J. K. Mayr, Metternichs geheimer Briefdienst, Postlogen und Porstkurse (Inventare österreichischer staatlicher Archive V/3, 1935). 165) Mayer, a. a. O., S. 22. 166) PHST 97, 4142/1813, Benna, a. a. O., S, 101. 167) F. Reinöhl,, Die österreichischen Informationsbüros im Vormärz, Archiv. Zs. 38 (1926) 268. H. v. Srbik, Metternich 1 (1925) 494. 168) Srbik, Metternich 1, S. 681. V. Bibi, Metternich (1935) S. 190.