Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv

432 Literaturberichte lichkeit, verharrte aber in ihrem Widerstand. In drei Stunden trieben die Schweizer die Rebellen auseinander und stellten die Ordnung her. Aus den Häusern, von den Dächern wurde auf die Soldaten geschossen und Steine geworfen. Die Schnelle, mit welcher die Schweizer im Straßenkampf, bei dem alle Vorteile auf Seite der auf zweitausend Mann geschätzten Ver­teidiger waren, die Erhebung niederwarfen, beweist, wie leicht es gewesen wäre, mit ein paar kriegstüchtigen Regimentern die alte Ordnung in Italien zu erhalten. „Alle fluchen der provisorischen Regierung die ohne Blut­vergießen nicht nachgeben wollte.“ Als die Mitglieder des Komitees ihre eigene Sicherheit gefährdet sahen, verabschiedeten sie sich im Rathaus: „Die Verteidigung war heldenmütig, die Ehre der italienischen Waffen ist gerettet, wir legen die Macht in die Hände der Gemeindeverwaltung zu­rück.“ Damit empfahlen sie sich in der Richtung nach Toskana. Als die Schweizer Einkäufe machten und die Bezahlung der Stadt überließen, wur­den die Läden geschlossen. In der Darstellung des Pater Pirri verschiebt sich der Mittelpunkt der römischen Frage nach den Tuilerien, wo Napoleon vergebens die Idee des Staatenbundes gegen Cavour, den Zerstörer der Vielheit und Schöpfer der Einheit Italiens zu retten sucht. Pater Pirri bringt wertvolle Ergänzungen zu dem monumentalen Werk Bastgens, das weiter für den des Deutschen kundigen Leser die unumgängliche Materialsammlung bleibt. Die Biblio­graphie führt Bastgen an, nicht aber die deutsche Literatur von Döllinger über Nürnberger und Hergenröther zu Schmidlin 7) und dessen zahlreiche Quellenhinweise. Es ist Pater Pirri nicht gelungen, der deutschen Ge­schichtsschreibung über die römische Frage den Rang abzulaufen. Heinrich Benedikt (Wien). Kramer Hans, Die Großmächte und die Weltpolitik 1789 bis 1945. Tyrolia­Verlag, Innsbruck-Wien-München 1952, 864 Seiten und 53 Abb. Mommsen Wilhelm, Geschichte des Abendlandes. Von der. Französischen Revolution bis zur Gegenwart, 1789—1945. (Weltgeschichte in Einzeldar­stellungen). Verlag F. Bruckmann, München 1951, 628 Seiten. Der Vorwurf, der häufig gegen die deutsche (und österreichische) Geschichtsforschung erhoben wird (z. B. von H. Lindemann im Monat 40, Januar 1952, S. 433 ff.), daß sie sich zu wenig mit der neuesten Geschichte beschäftigt und dieses Feld lieber der Publizistik überläßt, trifft für die wissenschaftliche Produktion zwischen den beiden Weltkriegen nur bedingt, für die Zeit nach 1945 überhaupt nicht zu. Wenn man die historischen Publikationen seit Kriegsende überblickt, wird man feststellen, daß viele und namhafte Historiker in der einen oder anderen Form zu den Ereig­nissen der jüngsten Vergangenheit Stellung genommen haben. Dabei han­delt es sich nicht nur um Darstellungen, sondern auch um Quelleneditionen. Allerdings wird sich die historische Wissenschaft immer darüber im klaren sein, daß ihre Aussagen gerade über die neueste Zeit, abgesehen vom psycho­logischen Faktor der objektiven Einstellung, vor allem wegen der proble­matischen Quellenlage, einen nur provisorischen Charakter beanspruchen 7) Josef Schmidlin, Papstgeschichte der Neuesten Zeit. München 1934, II, 66—80.

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