Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv

Rezensionen 431 Pariser Vertreter, dem kaiserlichen Kabinett bekanntzugeben, daß er die Fortdauer der franzöischen Besatzung in Rom als eine Verletzung des Prinzips der Nichtintervention und des Völkerrechtes betrachte. Da die Politik Napoleons, den Papst mit Italien zu versöhnen, ihr Ziel verfehlt habe, sei der Augenblick gekommen,die Besatzungen heimzurufen. Das Anbot von Malta fügt sich in den englischen Plan, Rom in die Hände Italiens zu spielen, wie Russell nach Veröffentlichung des Blaubuchs über das ange­botene Asyl im Unterhaus vorgeworfen wurde. Es ist bedauerlich, daß Pater Pirri bei der großen Rolle, welche Großbritannien bei der Unter­stützung Turins spielte, unterlassen hat, die Stellung von Lord Acton, der wohl wie kein anderer in England über die römische Frage und ihre Be­deutung unterrichtet war, in dem von ihm geleiteten Blatte 6) zu verfolgen. Der zweite Teil der Veröffentlichung enthält die Dokumentensammlung, in welche zum Vorteil des Benutzers auch einige, die in älteren Publika­tionen verstreut mühsam zu finden, aufgenommen wurden. Von größter Bedeutung ist der Briefwechsel Pius IX. mit Napoleon III., aber auch einige Briefe Franz Josephs, Franz II. von Neapel, Ferdinand IV. von Toskana und Franz V. von Modena verdienen Beachtung. Im Nachhang sind Dokumente über die an Cavour erteilten Sterbesakramente veröffent­licht, der Briefwechsel des Papstes mit Franz II. während der Belagerung von Gaeta und wohl als wertvollster Beitrag die Berichte des Cardinals Pecci und des Gerichtspräsidenten Lattanzi über die Erhebung in Perugia, klassische Lesestücke zur Psychologie der Revolution. Noch am 23. April 1859 berichtet der künftige Papst über den jeder Neuerung abgeneigten Geist der Landbevölkerung und die Rührigkeit der Liberalen in Perugia, die nicht durch ihre Zahl, wohl aber durch ihren Einfluß vorwiegen. Gegen das Kirchenregiment und für ein konstitutionelles System ereifern sich die Juristen, Ärzte, Kaufleute, einige Adelige und ein großer Teil der Hand­werker. Mit Geld und Versprechungen werden junge Leute angeworben und über hundert wurden, mit allem Nötigen versehen, auf sicherem Wege nach Piemont instradiert. Revolutionskomitees in Toskana bereiten die Er­hebung vor und warten auf das Signal von Turin. Bis Ende April folgten von 120 Studenten bloß drei dem Rufe Piemonts und der Revolution. Am 14. Juni konstituierte sich die liberale Partei in Perugia in einem Komitee und verkündete den Anschluß an Viktor Emanuel. Während der höchste Regierungsbeamte mit der schwachen Besatzung abzog, beschloß der Car­dinal zu bleiben. Am 19. Juni begab sich der Gerichtspräsident Lattanzi nach Foligno zu einer Besprechung mit dem Obersten der Schweizer Schmidt, der die Aufgabe hatte, die aufrührerische Stadt, ehe sie Verstär­kung aus Toskana erhielt und sich mit den Städten der Provinz in Ver­bindung setzte, zu bezwingen. Der Angriff sollte zu Mittag beginnen und, ihn zu vermeiden, begab sich der Gerichtspräsident schon am Morgen dort­hin, um mit den Rebellen zu verhandeln. In den Gassen waren Barrikaden errichtet, 400 Gewehre aus Toskana wurden verteilt. Die Kolonen des Peruginer Landes weigerten sich, an der Erhebung teilzunehmen. Die pro­visorische Regierung empfing den Gerichtspräsidenten mit größter Ilöf­«) „The Rambler“, seit 1862 „Home and Foreign Review“.

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