Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv

428 Literaturberichte Papst und eine Million an die in Rom residierenden Cardinale, übernimmt die Dotation der Episkopate und des Pfarrklerus. Das Recht des Souveräns auf die Bischofswahlen wird auf das Veto beschränkt. Cavours Ziel bei diesen Verhandlungen, welche nur rein kirchlichen Fragen gewidmet sein sollten und bei denen über die Zukunft des Kirchenstaates nicht gesprochen werden sollte, war, die Kammern, die vor ihrer Eröffnung standen, an geheime Verhandlungen mit der Kurie glauben zu iassen und durch seine versöhnende Haltung die öffentliche Meinung für sich zu gewinnen. Der Cardinal Staatssekretär zeigte sich geneigt, über die rein kirchlichen Fra­gen zu verhandeln, allerdings mit der Begrenzung auf die Erblande des Hauses und die Lombardei. Die Verhandlungen kamen nicht über Vor­besprechungen hinaus. Antonelli, dem „Verständnis für Geldgeschäfte und Begünstigung der Anverwandten“ 5) nachgesagt wurden, sollte auf den Rat von Paris durch Cavour „ä de certaines conditions toutes personelles“ gewonnen werden, und dabei wollte Napoleon Cavour unterstützen. Cavour ließ Pantaleoni hundert Napoleondors zukommen, um die Freundschaft untergeordneter Agenten der Kurie zu gewinnen, und erklärte sich bereit, größere Beträge „per pesci grossi“ folgen zu lassen. Cavour irrte sich, wenn er glaubte, den Cardinal Staatssekretär kaufen zu können. Antonelli bekam von dem Treiben der Geschäftsvermittler Wind, durch Interzipierung ihrer Briefe Klarheit und verlor die Lust, mit Turin zu verhandeln. Die Ausrufung des Königreichs Italien blies das Kartenhaus Napoleons vom italienischen Bund hinweg. Am 27. März 1861 erklärte die subalpine Kammer Rom zur Hauptstadt Italiens. Thouvenel stand vor der Wahl, die Truppen aus Rom abzuberufen und die französischen Katholiken zu ver­letzen oder sie in Rom zu belassen und die Italiener gegen Frankreich aufzubringen. Die Ausrufung Roms als Kapitale, die letzte Tat Cavours, erfolgte, ohne Napoleon zu fragen, der alles daran setzte, sich gut mit dem Papst zu stellen und sogar bereit war, die Zivilehe in Frankreich zu opfern. Am 6. Juni 1861 verschied Cavour. Napoleon hoffte nach dem Hingang des starken Mannes, der ihn so klug in Plombiéres eingefangen und so geschickt ausgenützt hatte, die Zügel in die Hand zu bekommen, erweckte beim Großherzog von Toskana Hoffnungen auf Neapel und bei Franz V. von Modena auf den Thron von Mexiko. Die neue Regierung Ricasoli ver­sicherte dem Kaiser, daß sie die Grenzen des dem Papst gebliebenen Rests des Patrimoniums achten werde und erreichte damit die Anerkennung des Königreichs durch Napoleon. Dazu entschloß sich Napoleon vor allem aus Angst vor England. Die Anerkennung des Königreichs beinhaltete die Anerkennung seiner Grenzen und damit der Gebietshoheit über die der Kirche entrissenen Länder. Walewski war der einzige, der im Ministerrat gegen die Anerkennung stimmte. Zu Rechbergs kirchenfreundlicher Politik und den gegen ihn gerichteten Angriffen der liberalen Presse berichtet der Wiener Nuntius: II partito liberale adopera ogni scaltrito espediente per allontanarli dall’ufficio. 5) Engel-Janosi, Hübner, S. 180.

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