Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv

Rezensionen 419 den, zerfressenen Hülle des Südländers“ (II, S. 302), „Sie starb ohne Priester, weil sie nichts zu beichten hatte“. (S. 303). Eine Beseitigung dieser Mängel und Fehler in einer dem Werk auf Grund des Themas und seiner gedankentiefen Bewältigung zu wünschenden Neuauflage, würde die Lektüre noch genußreicher machen. Otto Friedrich Winter (Wien). P i r r i P. Pietro S. J., Pio IX e Vittorio Emanuele II dal loro Carteggio privato. La questione Romana 1856—1864. Parte I. Testo, Parte II. I documenti. Miscel­lanea Historiae Ponteficiae Vol. XVI. et XVII. Roma 1951. XVI + 600, XII + 332 Seiten. In der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts war Rom die geistige Hauptstadt des Abendlandes, in der zweiten sank es zur Hauptstadt der sechsten europäischen Großmacht hinab. Die Kuppel der Peterskirche schwebt als Triumph der ewigen Kirche über der ewigen Stadt, gleich­mütig über das Reiterstandbild Viktor Emanuels II. hinwegblickend, das sich auf einem keineswegs erbaulichen Unterbau dreiundsechzig Meter über dem Boden erhebt. In der letzten Blütezeit der Weltstadt unter den Päpsten vertraten Chateaubriand die Tuilerien und das literarische Frank­reich, Niebuhr und Bunsen den König von Preußen und die deutsche Wissenschaft, erneuerten die Nazarener „aus der langhaarig christlich neu­deutschen Schule“, wie Heine sie nennt, die Freskenmalerei, hielt Ingres die klassische Richtung aufrecht, gab Horace Vernet der Historienmalerei und Reinhart der klassisch-deutschen Landschaftsmalerei die Richtung, schufen Canova, Thorwaldsen und Schadow die Meisterwerke der Bild­hauerei, versammelte sich die skandinavische Kolonie um Hans Andersen und schrieb Nikolaus Gogol die letzten Kapitel der „Toten Seelen“. Am 1. Juni 1846 starb Gregor XVI. Der Bischof von Imola Mastai- Ferretti nahm die Schriften Balbos und Giobertis ins Conclave mit, um sie dem künftigen Papst ans Herz zu legen. Es bedurfte keiner solchen Emp­fehlung, denn er selbst wurde am 17. Juni gewählt. Pio Nono eröffnete seine Regierung mit einer gegen die Übung auch politische Verbrecher umfassenden Amnestie, gestattete die früher verbotenen Versammlungen von Gelehrten, wohl wissend, daß sie politischen Zwecken dienten, begrüßte die Eröffnung von Lesestuben, ernannte den liberalen Cardinal Gizzi zum Staatssekretär, stellte die Munizipalverwaltung Roms wieder her, berief Kommissionen zur Reform der Gesetze, duldete eine milde Handhabung der Zensur und vertraute die der Zeitungen Weltlichen an. Sein Vertrauter Pater Ventura verkündete von der Kanzel herab den Bund zwischen Kirche und Volk, ganz im Sinne Giobertis, der selbst Priester war. Der Papst berief einen aus den Provinzen beschickten Staatsrat von Laien und ge­nehmigte die Bildung einer Bürgergarde. Pius IX. hörte auf die Stimme des Volks, und dies benützten die Führer der Liberalen, vor allem der Weinverfräehter Angelo Brunetti, wegen seiner Beredsamkeit Ciceruacchio genannt, den Papst durch bald heiße, bald kühle Ovationen zu beeinflussen, eine Technik, die mit gleichem Erfolg in Toskana zur Behandlung des Großherzogs angewandt wurde. 27

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