Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv

Rezensionen 415 Das Buch ist auf einer umfassenden Kenntnis der gedruckten Quellen und der riesigen, vornehmlich deutschen und französischen Literatur über fast ein Jahrhundert vergangenen Geschehens aufgebaut. Br. hat aber auch die Archive von Neuwied, Paris, und nicht zuletzt Wien weitgehend benützt. Gerade an diesem umfassenden, eigentlich die europäische Ge­schichte eines Jahrhunderts behandelnden Werk sieht der Österreicher mit Stolz, wie inhaltsreich und wichtig, ja unumgänglich die Bestände des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchives für die Erforschung wahrhaft großer Themen sind. Das Buch Br.’s ist eine der wichtigsten Neuerscheinun­gen auf dem Gebiete der Neueren Geschichte aus den letzten Jahren. Hans Kramer (Innsbruck). Göhring Martin, Geschichte der großen Revolution. Band 1: Vom Ancien régime zum Sieg der Revolution, Tübingen 1950, VII, 403 Seiten. Band 2: Vom Liberalismus zur Diktatur, Tübingen 1951, VII, 410 Seiten. Verlag J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen. Die ungeheure Bedeutung, die das Geschehen der französischen Re­volution nicht nur für Frankreich, sondern für ganz Europa und die anderen Kontinente besitzt, und das Fortdauern ihrer Fernwirkung bis in die Gegenwart, hat es mit sich gebracht, daß einerseits eine gewaltige Zahl von Historikern aus aller Welt sich mit diesen Ereignissen, ihren Ursachen und Ergebnissen befaßte, daß aber andrerseits in allem objektive Darstellungen des erregenden Vorganges die Ausnahme bilden mußten. Immerhin hat die Geschichtswissenschaft die wesentlichen Vorfälle seit langem fast völlig geklärt, so daß es heute eines besonderen Anliegens bedarf, um die Be­fassung eines Historikers mit diesem Thema zu rechtfertigen. G. bringt im Vorwort des 1. Bandes (S. VI ff.) mehrere vor: Das Fehlen einer zusammenfassenden Darstellung in deutscher Sprache nach dem letzten Stande der Forschung, den Wunsch, seine historiographische Fähigkeit an diesem gewaltigen Stoff zu erproben und eine lebendige Be­ziehung zwischen jener Zeit und der Gegenwart herzustellen, bzw. einen „Beitrag zur Stärkung des Bewußtseins der europäischen Zusammen­gehörigkeit“ zu leisten. Nach der Lektüre der bisher vorliegenden ersten zwei Bände des auf insgesamt vier Bände berechneten Werkes kann man ohne weiteres feststellen, daß die Verwirklichung dieser Anliegen G. in hohem Maße gelungen ist. G. kommt ja auch nicht von ungefähr zur Behandlung der „Geschichte der großen Revolution“, sie ist gewissermaßen die Krönung seiner bis­herigen wissenschaftlichen Tätigkeit: „Die Feudalität in Frankreich vor und in der großen Revolution“ (Berlin 1933), „Rabaut Saint-Étienne, ein Kämpfer an der Wende zweier Epochen“ (Berlin 1935), „Die Ämterkäuf­lichkeit im Ancien Régime“ (Berlin 1938), „Weg und Sieg der modernen Staatsidee in Frankreich“ (Tübingen 1946, 2. 1947), sind seine vorher­gehenden Publikationen. Nur aus dieser zwanzigjährigen Beschäftigung mit der Geschichte Frankreichs, vor allem im 18. Jahrhundert, ist die staunenswerte Kenntnis von Quellen und Literatur und ihre souveräne Verarbeitung zu verstehen. Diese Feststellung kann hier schon gemacht werden, obwohl G. auf einen

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