Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)
REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv
Rezensionen 411 und deren Umwandlung in den modernen Staat“ (S. 1), kann man am Beginn der Neuzeit nicht gut sprechen, da der Feudalismus in den meisten europäischen Staaten erst im 19. Jahrhundert mit der Aufhebung des Lehenswesens endgültig zu Grabe getragen wurde. Die „kirchlich-feudale Weltordnung“ waren weder das Heilige Römische Reich, noch die westeuropäischen Königreiche; Kirche und Feudalismus waren die Ordnungen, in denen die mittelalterliche Menschheit lebte. Der Aufbau des modernen Staates ging in Westeuropa innerhalb der Königreiche vor sich, allerdings nicht unter Zerfall in „geschlossene Gebiete“. Auf dem Boden des Heiligen Römischen Reiches wuchs der moderne Staat auf dem Boden der deutschen Landesfürstentümer, das Reich als solches machte den Weg zum modernen Staat nicht durch und mußte daher den Staatsrechtslehrern des 17. Jahrhunderts :als ein corpus monstro-simile erscheinen. Man vermißt leider bei diesem Buch, das infolge des völligen Fehlens von Anmerkungen dem Fachmann nicht das Nachschlagen in einem der englischen Werke erspart, eine auf den Titel hinzielende Umschreibung des englischen Weltreiches, hinsichtlich seiner verfassungsrechtlichen Struktur. Anna Hedwig B e n n a (Wien). Wartburg Wolfgang von, Geschichte der Schweiz. Verlag von R. Oldenbourg, München 1951. 264 Seiten, 18 Abbildungen und 7 Karten. Die Geschichte der Schweiz, die trotz ihrer Lage im Herzen Europas seit den Napoleonischen Kriegen in Frieden leben konnte, ist für den nicht so glücklichen Nachbarn interessant und lehrreich, für den Schweizer selbst Gegenstand stolzer Liebe und Verehrung. Die Tatsache, daß in der Schweiz in den letzten zwanzig Jahren nicht nur ein Neudruck der Geschichten schweizerischer Eidgenossenschaft von Johannes von Müller (3 Bde., Kilchberg-Zürich 1942), sondern auch vier moderne, ebenso repräsentative wie umfangreiche Darstellungen der Schweizer Geschichte (Hans Nabholz, Leonhard von Murait, Richard Feiler, Edgar Bonjour, Geschichte der Schweiz. 2 Bde., Zürich 1932—1938. — Emst Gagliardi, Geschichte der Schweiz von den Anfängen bis zur Gegenwart. 3 Bde., Zürich-Leipzig 1934—1937. — Valentin Gitermann, Geschichte der Schweiz. Thayngen- Schaffhausen 1941. — Gottfried Guggenbühl, Geschichte der Schweizerischen Eidgenossenschaft. 2 Bde., Zürich 1947—1948), in zum Teil prachtvoller Ausstattung herausgebracht wurden, ist nicht nur ein Beweis des materiellen Reichtumes dieses kleinen Landes, sondern auch und vor allem des lebendigen und starken Geschichtsbewußtseins des Schweizer Bürgers. Und es ergibt sich daraus die Frage, ob diese allgemeine Einstellung zur Geschichte des eigenen Landes, die wie überall Hell und Duinkel, Aufstieg, Niedergang und wieder Aufstieg zu verzeichnen hat, nicht auch Wesentliches zu der zweifellos vorhandenen Kontinuität in der politischen Entwicklung der Schweiz beigetragen haben könnte. Der Verlag Oldenburg hat nun in seiner Reihe „Geschichte der Völker und Staaten“ eine knapp gehaltene, vor allem für den Nichtschweizer bestimmte allgemein verständliche Geschichte der Schweiz von Wolfgang von Wartburg, einem Schweizer, herausgebracht, in der diese Liebe zu Volk und Heimat deutlich spürbar ist, wenn auch der Fachhistoriker manche Fest-