Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

REGELE, Oskar: Das ungarische Kriegsarchiv

412 Literaturberichte Stellungen des Verfassers, wie z. B. über das „Urbild des wahren Eid­genossen“ („Nicht einer Regierung, auch nicht einer Volksmehrheit ist der Eidgenosse verpflichtet, sondern allein der göttlichen Weltordnung. Was diese von ihm verlangt, das sagt ihm kein Priester und kein König, das sagt ihm allein sein eigenes freies Gewissen.“ S. 41) doch bedenklich finden muß. Der Verfasser ist sich allerdings selbst bewußt, daß er manches nicht ganz so geschildert hat, wie „es wirklich war“ („Was hier dargestellt worden ist, ist nicht vollkommene Wirklichkeit, sondern es ist das der äußeren Erscheinung zugrunde liegende Urbild.“ S. 251). Dies zu W.s Grundtendenzen. Die Arbeit selbst ist in vier große Abschnitte (1. Bis zur Gründung der Eidgenossenschaft, 2. Von der Gründung der Eidgenossenschaft bis zum Ende des Mittelalters, 3. Von der Reformation zur französischen Revolution, 4. Die Schweiz seit der französischen Revolution) gegliedert, in denen nicht nur die politische, sondern auch die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte behandelt werden. Die Darstellung ist klar und einfach, simplifiziert aber manchmal zu sehr. Der „Kultur und Gesellschaft des Mittelalters“ kann man nicht auf schwach zwei Seiten mit Sätzen wie z. B. „Der Bürger haßte den Ritter, der Ritter verachtete den Bürger und plagte den Bauern, die Fürsten unterdessen die Städte, die Geistlichen die Laien“ (S. 89), gerecht werden. Gut gelungen und wirklich lebendig ist das der Zeit der Reformation gewidmete Kapitel (S. 103—121). Sehr anerkennenswert ist die Objektivität des Verfassers bei der Schilderung der neuzeitlichen Schweizer Geschichte, wie überhaupt die ganze, ja von vorhinein nicht streng wissenschaftlich gedachte Arbeit, sicher viele Freunde finden wird. 7 instruktive Karten — vor allem die Konfessions- und Sprachenkarte — eine sehr übersichtliche Zeittafel und ein Sachregister gehören zu den weiteren Vorzügen dieses Buches, das der Verlag noch mit 18 schönen Abbildungen ausgestattet hat. Erika W e i n z i e r 1 - F i s c h e r (Wien). Braubach Max, Versailles und Wien von Ludwig XIV. bis Kaunitz, die Vor­stadien der diplomatischen Revolution im 18. Jahrhundert. Bonner historische Forschungen, hgb. v. Max Braubach, Walther Holtzmann u. Richard Nürn­berger, Bd. 2. Ludwig Röhrscheid-Verlag, Bonn. 480 Seiten, 8°. Der Verfasser, u. a. durch seine Forschungen über Männer um Prinz Eugen von Savoyen bestens bekannt1)» griff ein sehr dankbares Thema auf. Es handelt sich um die über fast ein Jahrhundert (ungefähr 1668 bis 1757) 2) reichenden Bemühungen verschiedener österreichischer und fran­zösischer Staatsmänner und Diplomaten, aus der von ihnen als überholt erkannten „Erbfeindschaft“ der Dynastien der deutschen Habsburger und Bourbonen, wenn auch vielleicht noch kein Bündnis, so doch eine „Union“ zu machen. Ihr Grundsatz lautete, daß die großen Kriege zwischen Österreich und Frankreich diese beiden nur daran hinderten, gemeinsam eine unbeschränkte Vorherrschaft über das Reich, ganz Mitteleuropa, ja *) *) Max Braubach, Geschichte und Abenteuer, Gestalten um den Prinzen Eugen. München 1950.-) 20. Jan. 1668: Österreich.-französ. Teilungsvertrag über das spanische Erbe. 1. Mai 1757 zweiter Bündnisvertrag von Versailles.

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