Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)
CORETH, Anna: Der „Orden von der Stola und den Kanndeln und dem Greifen“ (Aragonesischer Kannenorden)
Der „Orden von der Stola und den Kanndeln und dem Greifen' 35 Porträts Friedrichs mit der Ordenskollane und von der Darstellung an der Ehrenpforte Maximilians noch zu reden haben. Es wird aber auch berichtet, daß Karl der Kühne im Jahre 1446 dem König Alphons V. von Aragon, damals Regent von Neapel, den Orden vom Goldenen Vließ überreichen ließ, und als Gegengabe den Kannenorden, die devisa della stola e jarra von Alphons erhielt. Es galt dies zum Zeichen der politischen Freundschaft, bei deren Bruch die Orden zurückgegeben werden sollten 4). Auch nach dem Aussterben der Gesellschaft war im späten 17. Jahrhundert das Interesse für sie noch lebendig, oder wachte wieder auf, vor allem als der Hofbibliothekar Leopolds I., Peter Lambeck, im Zusammenhang mit seiner Beschreibung der Handschriften der Hofbibliothek in einem damals gerade aus Tirol nach Wien gebrachten Kodex der Ambraser Sammlung ihre Statuten auffand. Er geht in seinem Werke nicht näher auf sie ein 5), gibt aber ein paar Bemerkungen über den nach seiner Meinung von König Alphons V. von Aragon gegründeten „Mäßigkeitsorden“ und bringt im nächsten Band als Nachtrag eine Urkunde, womit Friedrich III. den Nikolaus von Lobkowicz und seine Frau am 4. August 1459 zu dessen Mitgliedern ernennt6). Obwohl diese Hinweise Lambecks da und dort Beachtung fanden7) und der Orden auch in fast sämtlichen einschlägigen Sammelwerken kurz behandelt ist, hat sich doch noch kein Forscher die Aufgabe gestellt, diese Quellen näher zu untersuchen und sie mit weiteren Überlieferungen literarischer und künstlerischer Art, die viel reichlicher vorhanden sind, als man annehmen würde, zusammenzustellen, so daß wir heute über Gründung, Bedeutung und Ausbreitung des Ordens aus der neueren Literatur keinen befriedigenden Aufschluß erhalten. So hoffe ich, Spiegel der Ehren des Erzhauses Österreich, Buch V, Kap. 21, S. 774; nach der Fuggerhandschrift Petrus Lambeck, Commentarii Bibi. Caes. Vind. 2. Buch, Kap. VIII, S. 960 f.; in Kollars Ausgabe 2. Bd., Sp. 879 ff. In den zeitgenössischen Berichten über die Trierer Zusammenkunft konnte ich keine Andeutung darüber finden. Vgl. die Quellen bei Fr. Lindner, Die Zusammenkunft König Friedrichs III. mit Karl dem Kühnen zu Trier 1473 (Dissert. Greifwald 1876); H. E. Moltzer, Friedrich III. und Karl der Kühne in Trier, 1473 (Groningen 1891). 4) Vgl. Gio. Antonio Summonte, Historia della citta e regno di Napoli, torn. 3, Neapel 1675, S. 72; dort auch weitere Bedingungen, die bei der Annahme der Orden gegenseitig gemacht wurden. Vgl. a.ich Bernardo Giustinian, Historie cronologiche dell’origine degl’ordini militari, parte 2, Venedig 1695, S. 673. 5) A. a. 0. 6) A. a. O., 3.Buch, Anhang (Additamentum) XIX, S. 345 f.; vgl. darüber Näheres unten S. 51 ff.; abgedruckt S. 61 f. 7) Kurz danach Chr. G r y p h i u s, Kurzer Entwurf der geistlichen und weltlichen Ritterorden (Leipzig 1697), der die Dinge richtiger sieht als Mar- quard Herrgott, Monumenta Aug. Domus Austriae, Bd. 1 (Wien 1750), S. 140 f.; Abb. Tafel XVIII, Nr. 7, nach Lambeck. 3*