Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)
CORETH, Anna: Der „Orden von der Stola und den Kanndeln und dem Greifen“ (Aragonesischer Kannenorden)
Der „Orden von der Stola und den Kanndeln und dem Greifen” (Aragonesischer Kannenorden). Von Anna Coreth (Wien). (Mit 4 Abb.) Im 14. Jahrhundert war eine neue Form ritterlicher Ordensgesellschaften aufgekommen, die sich im 15. Jahrhundert sehr vermehrten, oft weit über die Grenzen des Gründungslandes hinaus verbreitet waren und den alten Ritterorden durch die größere Leichtigkeit des Eintritts und die geringeren Forderungen Konkurrenz machten. Sie verlangten keine Gelübde, schlossen sich gegenseitig nicht aus — man war im Gegenteil stolz, mehreren Gesellschaften anzugehören — und waren durch ein Abzeichen, „Devise“ genannt, gekennzeichnet. Sie hatten meistens ein aus der Kreuzfahrertradition überkommenes religiöses Motiv und einen auf die Bekämpfung der Feinde der Kirche und den Schutz der Notleidenden gerichteten Zweck. Unter den verbreitetsten waren in Österreich der von Herzog Albrecht V. 1433 gestiftete Adlerorden 0 und der Drachenorden'2), den Kaiser Sigismund gegen die Hussiten eingesetzt hatte. Auch Pilgerorden, wie der vom heiligen Grabe, oder der Zyprische Schwertorden tauchen hier auf und werden uns noch begegnen. Unter all diesen in- und ausländischen Gesellschaften scheint der aragonesische Kannenorden, oder Mäßigkeitsorden, oder, wie ihn die Zeitgenossen auch nannten, der „Orden von der Stola und den Kanndeln und dem Greifen“, keine geringe Rolle gespielt zu haben, waren doch offenbar die beiden Kaiser Friedrich III. und Maximilian I. nicht wenig stolz auf die Mitgliedschaft. Es ist überliefert, daß Friedrich das Emblem trug, als er 1473 zu Trier mit Karl dem Kühnen von Burgund zusammentraf; Maximilian soll es getragen haben, bis er 1478 zu Brügge Großmeister des Ordens vom Goldenen Vließ wurde3). Wir werden von 1) Heinrich Gustav Thierl, Der österreichische Adlerorden (1433) (Jb. d. k. k. heraldischen Gesellschaft „Adler“, N. Fge. 15, 1905, S. 215 ff.). 2) Über diesen ebenda N. Fge. 5/6, 1895, S. 65 ff. Vgl. auch Paul K 1 e 11 e r, Ritterorden und andere Gesellschaften im späten Mittelalter (Mitteilungen des St. Michael, Verein deutscher Edelleute zur Pflege der Adels- und Familiengeschichte, 20, 1925, Nr. 3/4); Ottfried Neubecker, Ordensritterliche Heraldik (Der Herold, 1, 1940, S. 115 ff.). 3) Diese Nachrichten bringt Hans Jakob Fugger, Oesterreichisches Eeren- werk, Bd. 2, 7. Buch, Fol. 312 r, Nat. Bibi. Hs. 8614 und Fugger-Birken,