Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

BACHMANN, Hanns: Zum Urkundenwesen der drei bayrischen Landgerichte Kufstein, Kitzbühl und Rattenberg einschließlich des Zillertales im 14. Jahrhundert

28 Hanns Bachmann gelegt waren. Leider ist diese für die Lokalgeschichte so wertvolle Quelle nicht mehr auffindbar87). Im Zillertal erscheinen Schreiber, die im Rattenberger Landgericht nicht zu finden sind, d. h. insofern, als sie über den Salzburger Grundbesitz nicht hinauskommen. Daß der Landgerichtsschreiber A dreimal im Zillertal auf­taucht, wurde bereits erwähnt. Einmal in einer Gerichtsurkunde und zweimal in einem Verkaufsbrief88 89). Das Auftreten dieses Gerichtsschrei­bers ist dadurch zu erklären, daß Rattenberg die Hochgerichtsbarkeit über den rechts vom Ziller gelegenen Teil des Zillertales ausübte. Der erste nachweisbare Urkundenschreiber im Zillertal ist N. Im Jahre 1317 89) schreibt er eine Gerichtsurkunde (nicht in den A.B.). Es handelt sich dabei um einen urbargerichtlichen Streit. Der Aussteller der Urkunde ist der salzburgische Probst Seibot von Haslach, der dem Gerichte vorsitzt. Die beiden nächstfolgenden Urkunden von 1318 und 1328 (Staats­archiv Wien) weisen eine sehr ähnliche Schrift auf, daß sie aber von der gleichen Hand wie die erste geschrieben wurden, darf wohl nicht mit Sicherheit behauptet werden, doch ist es immerhin möglich, daß sie von derselben Hand stammen. Von dem nächsten Schreiber B sind zwei Urkunden erhalten90). Die eine beinhaltet einen Verkauf von Eigenleuten an die St. Pankrazkirche, die andere ist ein Ablaßbrief des Erzbischof Heinrich von Salzburg für die Kirche Fügen. Hier findet sich zum erstenmale die eigentümliche Erschei­nung, die sonst in keinem der drei Landgerichte vorkommt, daß der Schreiber eines Ablaßbriefes auch eine andere Urkunde schreibt. Dieser Schreiber ist später im Zillertale nicht mehr nachzuweisen. Sicher kommt er aus der erzbischöflichen Kanzlei und müßte dort in anderen Schrift­stücken noch zu finden sein. Daß der Erzbischof selbst bei der Ausstellung der Urkunde in Fügen anwesend war, geht aus der Ortsangabe des Ablaß­briefes direkt hervor. Die Anwesenheit des Bischofs dürfte sich aus der politischen Lage erklären. Am 30. März 1338 verschied Erzbischof Friedrich. Sein Nach­folger war Heinrich von Pirnbrunn. Er reiste sofort nach seiner Wahl an die Kurie nach Avignon, wo er am 31. August durch Papst Benedikt XII. bestätigt, am 21. September konsekriert wurde und am 23. desselben Monats den Obödienzeid leistete. Das Pallium erhielt er am 8. Oktober91). Somit steht fest, daß der Erzbischof mindestens bis zum 8. Oktober in Avignon war und erst nach diesem Zeitpunkt seine Rückreise antrat. Der erste größere Besitz Salzburgs, den er auf seiner Heimreise antraf, war das Zillertal, wo sich der Bischof vermutlich einige Zeit aufgehalten haben 87) A. a. O., z. T. gedruckt. 88) A.B. III. Nr. 772, 775, 842. 89) IX. 29. Pfarr-Archiv Hippach. 90) A.B. III. 768, 769. 91) Widmann, Gesch. Salzburgs, II, S. 96.

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