Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 5. (1952)

HAUPTMANN, Ferdinand: Österreich-Ungarns Werben um Serbien 1878–1881

214 Ferdinand Hauptmann bung Serbiens ausgehe. Was immer die wahren Beweggründe der Opposition gegen die Regierung waren 132), sie wurden in die Form des österreichisch­serbischen Gegensatzes eingegossen — unter allen Umständen ein dankbares Thema133). Zur Bekämpfung dieser Übel und Vorwürfe kam es auf die Position der serbischen Regierung an. Gewiß ließ ihr Österreich alle mög­liche Hilfe und Erleichterung angedeihen, und auch der Fürst trug die Hoffnung, mit der regierenden Partei, gestützt ,auf den Stand der Handels­und Bauersleute, die öffentliche Meinung zu seiner Politik zu bekehren. Jedoch an dieser öffentlichen Meinung hing alles, denn diese war, wie der Fürst behauptete, seit dem Bestehen des Fürstentums systematisch in der Stimmung gegen Österreich erzogen worden134). Neben allen Hoffnungen, die man in den Bestand und Erfolg des neuen Kurses in Serbien setzen konnte, blieb doch die große Frage bestehen, ob er sich halten und durch­setzen werde. Für Österreich ergab sich aus dieser Sachlage das doppelte Gebot: einerseits durch „Enthaltsamkeit“ und stark betonte Uneigen­nützigkeit die Vorwürfe der Opposition zu widerlegen, daß Österreich nach wirtschaftlicher und politischer Bevormundung Serbiens strebe, und an­dererseits sich in Anbetracht des durchaus nicht gesicherten Bestandes der serbischen Regierung dieses Landes in einer Weise zu versichern, daß auch ein Regierungswechsel die bisherigen Erfolge nicht vernichten könnte. Die Enthaltsamkeit auf wirtschaftlichem Gebiete fand ihren beredten Aus­druck in dem Handelsverträge, das übrige in der Geheimkonvention vom 28. Juni 1881. d) Der Abschluß des Vertrages. Abgesehen von allen politischen Erwägungen, die beim Abschluß des Handelsvertrages für Österreich mitspielten, konnte man dessen wirtschaft­liche Stellungnahme folgendermaßen zusammenfassen: Serbien, wie auch die übrigen Balkanländer, waren auf einer Entwick­lungsstufe, auf der sie ein für ihre Verhältnisse immerhin großes Bedürfnis vor allem an industriellen Produkten zeigten, das im eigenen Lande mangels einer Industrie nicht zu befriedigen war. So bot sich für Österreich-Ungarn dort ein sicherer und aussichtsreicher Zukunftsmarkt. Das Interesse des industriellen Österreich war hier natürlich mehr berührt als dasjenige des hauptsächlich landwirtschafttreibenden Ungarns, (obwohl es sich im Laufe der Zeit herausstellte, daß die ungarische Ausfuhr nach den drei Balkan- ländem Serbien, Bulgarien und der Türkei im Durchschnitt der Jahre 1891—1900 35,7% des Wertes der Gesamtausfuhr der Monarchie in diese Gebiete betrug) 13S). Perzentuell bewegte sich der Anteil Serbiens am Ge­samthandelsverkehr der Monarchie zwar in ziemlich bescheidenem Rahmen (2—3%) 136), aber der serbische Markt, der jetzt noch unter mangelhafter Kaufkraft der einheimischen Bevölkerung litt, war entwicklungsfähig und außerdem bot er Absatz auch für solche österreichische industrielle Pro­

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