Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.

Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I. 99 das alte Herzogswappen (fünfmal geschrägt von Blau und Gold) und als das von „Neu-Burgund“ das Lilienwappen der französisch-bur- gundischen Herzogsdynastie J). Unter unseren maximilianischen Wappen kommt das neu-burgundische allerdings nicht vor2); sollte es etwa durch ein Wappen des Hauses Habsburg ersetzt werden (roter Löwe in Gold oder Bindenschild) und ein dem Herzogtum später zugewachsenes Gebiet, nun unter habsburgischer Herrschaft, be­zeichnen ? Sollten alle Bedeutungen verquickt, oder gar kein bestimmtes Gebiet gemeint sein ? Daß unter Loterick nicht das selbständige, nie zu Maximilians Ländern gehörige Herzogtum (Ober-)Lothringen gemeint sein kann, ist sicher. Niemals scheint auch hier sein Wappen auf. Es ist vielmehr jenes Nieder-Lothringen zu verstehen, dessen Herzoge sich seit Hein­rich I. (1186—1235) „von Lothringen und Brabant“ nannten, welchen Titel die Burgunder übernahmen, als Herzogin Johanna ihr Land an Philipp von Burgund abtrat (1404), der hier eine Sekundogenitur gründete. Im Jahre 1429 wurde Lothringen und Brabant dem Herzog tum Burgund einverleibt und ging so mit Titel und Wappen auch auf Maximilian I. über 3). Dieses Wappen ist, bei den Burgundern und bei Maximilian ständig wiederkehrend, eben jener sagenumwobene *) *) Vgl. das Wappen Karls V., Siebmacher, I, 2, Außerdeutsche Staaten­wappen, Tafel 58, S. 27. In der Handschrift Bibi. nat. fr. n. 12476 (Paris) ist Philipp von Burgund als Großmeister des Ordens vom Goldenen Vließ umgeben von den Wappen seiner Länder, deren zwei erste, die eben beschriebenen bur- gundischen Wappen, mit Duc de Bourg. und Issu de France bezeichnet sind. Vgl. A. Kleinelausz, Histoire de Bourgogne (Paris 1909), Tafel 11, S. 152, sowie Louis Alvin, Les grandes armoiries du Duc Charles de Bourgogne gravées vers 1467 (Bruxelles 1859). Man erinnere sich an die entsprechenden Bezeichnungen Alt- und Neu-Österreich mit Bezug auf den Fünf-Adler- (bzw. Lerchen-) und den Bindenschild, wobei mit Alt-Österreich auf die antike Tradition, weiters aber auch auf die Babenberger als ehemalige Landesfürsten hingewiesen werden sollte, der Bindenschild für Neu-Österreich dagegen auf die Habsburgerherrschaft im Lande hindeutete. Vgl. Alfred Hoffmann, Oberösterreichs Landeswappen, Linz 1947, S. 19 ff.; Karl Lechner, Wappen und Farben des Gaues Niederdonau in ihrer historischen Entwicklung (1942). 2) Das Wappen mit den goldenen Lilien auf blauem Grund (siehe unten S. 103, Nr. III) dürfte auf Artois zu deuten sein. 3) Im Wappenbuchtext Maximilians aus dem Jahre 1507 (Hrsg. Coreth, a. a. O.), wird Lothringen so beschrieben: Das ist gewesen ein Ertzfürstenthumb, eingeleibt sind darynn das furstenthumb Brabannt, Lymburg unnd der maist tayl des stiffts Lüttich und ist durch krichsfell zertrennt worden; die Ertz Icitmbt von Lottaric, die natürlich Römisch kunig gewesen sind, darumb so fúrt kunig Max den Schild wie Burgundj gar.

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