Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.

100 Anna Coreth rote Schild mit silbernem Balken 1), der unter unseren Königswappen mindestens einmal auch auf Lothringen zu deuten ist. Tatsächlich war dies der Schild des Geschlechtes Gottfrieds von Bouillon 2), welcher 1088 mit dem Herzogtum Niederlothringen belehnt worden war. Überdies trägt der Begriff Lothringen auch noch die stolze Erinnerung an jenes alte Königreich Lotharingien in sich, von dessen Wieder­errichtung Karl der Kühne geträumt hatte. Welgen ist wohl zweifellos das durch den Humanismus wieder aufgenommene, klassisch-römische Wort Belgium, das auch im Mittel- alter als Belgica weitergelebt hatte. Richer von St. Remy 3) gebraucht diesen Ausdruck f ür Nieder- und Oberlothringen (Moselland). Im 12. Jahr­hundert wurde die Belgica prima mit der Hauptstadt Trier von der Belgica secunda mit der Hauptstadt Bavay unterschieden4); im 14. Jahrhundert leitete man auch den Namen von diesen Städten ab5). Etwas später aber wird der Begriff Belgium auf den Herrschafts­bereich von Lüttich (Liege) angewendet, zuerst von Angelus de Curribus Sabinis in seinem Gedicht über die Zerstörung dieser Stadt um 1468: urbs Leodina fuit Leodis de nomine regis / maxima Belgarum 6). Im Magnum Chronicon Belgicum, einer Kompilation von zirka 1478, erscheint schon der erweiterte Begriff Belgiens, der im 16. Jahrhundert zunächst auf die abgespaltenen nördlichen (foederatum Belgium), dann aber auf die habsburgischen südlichen Niederlande (Belgarum 'princeps) Anwendung fand7). Wieder also haben wir Unklarheit und Un­b Etwa unter den eben erwähnten Wappen Philipps des Guten von Burgund, Ms. fr. Nr. 12476 Paris; oder in Grünenbergs Wappenbuch, hrsgg. von Grafen Stillfried - Alcantara und Ad. M. Hildebrandt, 1875, Tafel XLIX b; und auf der großen Wappentafel über dem Mitteltor der Ehrenpforte Maximilians, allerdings mit um­gekehrten Farben, was auf Ableitung vom oberlothringischen Herzogswappen deutet. 2) Ist enthalten im Wappen von Lüttich; vgl. Siebmacher, I, 2, außerdeutsche Staatenwappen, S. 34, Tafel 79. 3) Historiae, 1, III, MG. SS. rer. Germ., 51, 1877, p. 3 u. a.; vgl. Parisot, a. a. O., S. 57 und 127. 4) Vgl. Godefroid Kurth, Notre nom national (Bruxelles-Namur 1910), S. 29 f.; Belgis hieß auch der Fluß Kyll, der nahe von Trier in die Mosel fließt. Vgl. J. G. D. Graesse, orbis latinus. 2. Aufl., Berlin 1909. 5) Jaques de Guyse, Mon. Germ. Script., XXX., p. 87 ss. Trier, das von Priams Vetter gegründet worden sei, habe den Namen Belgis getragen, sein Gründer sei aus Belgis-Bavay gekommen. Vgl. Ph. Aug. Becker, Jean Le Maire, der erste humanistische Dichter Frankreichs (Straßburg 1893), S. 1. 6) Gedr. bei Marténe et Durand, Veterum scriptorum et monumentorum amplissima collectio. Bd. IV (Paris 1729), S. 1328. 7) Kurth a. a. O., S. 33.

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