Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift
CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.
98 Anna Coreth schreibt Ménnél*) mit Berufung auf die kölnische und andere Chroniken, Pippin, der erste Herzog von Brabant, habe die land Austrasia, das ist uff deutsch Oesterreich oder ost Franckhreich besetzt: Ist nemlich das Land zwüschen der Maiss unnd dem Rein, von der Moselen unnd Metz biss in der Wart, durch das stifft Coin biss in die see, welches land nachmals getailt ward in zwen tail unnd hiess der tail bey Metz unnd daselbs umb Lothringenn oder Austria superior, das ist Ober Österreich unnd der ander tail Brabancia oder Austria inferior, das ist Nider Österreich 2), dahin.. . Brabo den roten schilt mit der silberin fätschen, den man noch heutbytag den österreichischen schilt nempt, bracht hat 3). —• Nach ist ain ander Österreich gelegen bey der Thonaw, in latéin genant Panonia superior, das ist dem latéin nach zu rechtem teutschen Ober Ungerland, aber gemainer red nach Austria, das ist Österreich genempt. Drei Länder also haben nach den alten Büchern denselben Namen, da aber zwei davon, Brabant und Lothringen, einen sondern namen, nämlich Nieder- und Ober Österreich haben, kommt dem dritten der volle Name Österreich zu, das nun auch den austrasischen Schild trägt. Neu-Austrasien kann dem gegenüber ohne Schwierigkeit als Neustrien aufgelöst werden, das in alten Quellen auch Neaustria oder Neustrasia genannt wurde und den westlichen Teil des nördlichen Gallien umfaßte4). Man könnte etwa die im Westteil Burgunds gelegenen Herrschaften darunter verstehen. Zudem liegt aber in dem Worte, schon von jeher etwas problematisch, aber hier besonders hervorgehoben, auch der Begriff „neu“ und da kommen jene im späten Mittelalter so beliebten Namensbildungen wie Alt- und Neu- Burgund in Erinnerung. Sowohl die burgundischen Herzoge als auch nach ihnen die Habsburger führten als Wappen von „Alt-Burgund“ 1) Fürstliche Chronik, Bd. 4, Cod. Vind., 3075, fol. 119. 2) Es ist die Trennung von Ober- und Niederlothringen, wie die Gebiete später hießen, im Jahre 959 gemeint. 3) Durch den Abkommen von Francio, dem Stammvater der Franken, sei der Bindenschild aus Siccambria (Ungarn) nach Griechenland und von da unter Iulius Caesar durch Salvius Brabon, den Namensgeber von Brabant, nach Inferior Austria — Unterösterreich-Brabant — gebracht worden. Cod. Vind., 3075, fol. 5. Es wird dazu bemerkt, daß die alten habsburgischen Fürsten diesen trojanisch-griechischen Schild in Erinnernung an ihr altes Herkommen angenommen hätten. Vgl. Alphons Lhotsky, Osterrichi. Vortrag in der Festsitzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am 21. Oktober 1946 (Wien 1947), S. 19 ff. 4) Vgl. Paul Kretschmer, Austria und Neustria. Eine Studie über spätlateinische Ländernamen. (Glotta. Ztschr. f. griech. u. lat. Sprache, Bd. XXVI, 1938), S. 207 ff.