Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.

Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I. 97 Sekretär Treytzsaurwein für die Anfertigung der Holzschnitte diktiert worden ist1). Nach dessen Wortlaut folgen auf das Kunigreich Nider-Lumparthey die Banner von sechs newen Österreichischen und Bürgundischen künig- reich, angeführt von der Erczphalcz und dem Erczherczogthumb 2); und nun sind erfreulicherweise die sechs Reiche genannt: das kunigreich Austrasy, das kunigreich Loterick, das kunigreich Weigen, das kunigreich Sclauania oder Wynnden, das kunigreich New Austrasy, das kunigreich Österreich. Item in disen kuniglichen panern das Römisch Reich vor­zustellen und darnach die Österreichischen lannde, die dem reich verwandt sein 3). Diese Bezeichnungen werden uns enttäuschen. Sie sind ab­sichtlich ungewohnt, in humanistischem Gewand und unklar. Ja es ist sogar zweifelhaft, ob dem Diktierenden so ganz klar war, was sie eigentlich bedeuteten, oder ob es ihm darauf ankam, schön und alter­tümlich klingende Namen hervorzuziehen ohne viel zu beachten, ob sie sich dem Inhalt nach überschneiden. So können wir trotz aller Bemühungen der Bedeutung dieser Worte nur nahekommen. Vor allem erscheint an der Spitze wieder jenes Königreich Austra- sien — diesmal im ursprünglichen Sinne —, das tatsächlich in alt­fränkischer Zeit, etwa seit dem Tode Chlodwigs I. (511) bis Pippin den Kurzen (751) bestanden hatte und die Mosel- und Maasgebiete und die fränkischen Länder am rechten Rheinufer umfaßte 4). Als Heimat Karls des Großen hatte Austrasien für den Humanismus hervorragende Bedeutung5) und dessen Analogie zu Österreich in Namen und Wappen wurde zum Beweis uralter Beziehungen zwischen den habsburgischen Erblanden und Burgund herangezogen6). So 1) Cod. Vind. 2835. Gedruckt von Schestag, a. a. O. S. 155 ff. 2) Vgl. darüber unten S. 102. 3) Schestag, a. a. O., S. 168. 4) Vgl. Digot, Histoire du royaume d’Austrasie, Nancy 1863, 4 Bde.; Gérard, Histoire des Francs d’Austrasie. (Brüssel 1865), 2 Bde. 5) Wimpheling, Germania (1501), S. 513, gestützt auf Blondus und Gaguin. Vgl. Horawitz, Nationale Geschichtschreibung im 16. Jahrhundert (Histor. Ztschr., 25, 1871, S. 78); vgl. auch das zu Lyon 1510 gedruckte Buch von Symphorien Champier, Le recueil ou croniques des hystoires des royaumes d’Austrasie ou France orientale, dite ä présent Lorraine . . .; Robert Parisot, Les origines de la Haute Lorraine. (Paris 1909). 6) Noch zur Zeit Kaiser Karls VI. entstand eme Abstammungsgeschichte der Habsburger von diesen austrasischen Königen: Guil. O-Kelly, C. Aug. Caroli VI. linea recta Familiae Habsburgo-Austriacae a vetustis Austrasiae regibus deducta (Viennae 1727). 4

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