Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift
CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.
96 Anna Coreth an die geplante Königserhebung von 1245 wäre sinnvoller gewesen —, so läuft bei Maximilian daneben das Interesse für das alte Königreich Burgund und sein Wappen J ). Sobald er Kaiser sei, wolle er die Grafschaft Pfirt und Elsaß zu einem Königreich machen, sagte er im Jänner 1508 zu Gattinara 1 2), doch unmittelbar darauf steht schon Burgund im Vordergrund. Man konnte an die knapp vor der Verwirklichung gescheiterten Pläne, Karl den Kühnen zum burgundischen König zu machen, anknüpfen 3). Einige Monate nach der Annahme des Kaisertitels verkündigte Maximilian bekanntlich dem feierlichen Kapitel des Toisonordens zu Mecheln (22. Mai 1508), er werde Österreich und Burgund zu einem Königreich vereinigen sous It nőm d’Autriche et Bourgogne und in Österreich habe er dazu schon Verhandlungen eingeleitet. In etwas anderer Form tauchte dann dieser Gedanke im Dezember 1510 unter dem Titel eines Königreiches Austrasien für den Enkel Karl auf4). Walther zweifelt nicht daran, daß es sich auch diesmal um Österreich und Burgund handelte unter einem nun gefundenen einheitlichen Namen, „der an Austria stark anklingt und doch geeignet scheinen konnte, das burgundische Nationalgefühl nicht allzu sehr zu verletzen“ 5). Es ist gewiß kein Zufall, daß gerade in das darauffolgende Jahr die ersten künstlerischen Darstellungen dieser Idee anzusetzen sind. Vor 1512 entstanden Kölderers Triumphzugsminiaturen, die eine Gruppe von Trägern von Wappentafeln der kaiserlichen Herrschaften enthalten, wie sie ähnlich im großen Titel aufgezählt wurden, deren Schlüssel aber erst ein schriftliches Programm gibt, das (nach Giehlow)6) an Hand der Miniaturen im Jahre 1512 vom Kaiser seinem 1) Gedenkbuch 1502, f. 148' ; gedr. Jahrb. d. kunsth. Sammlungen, I. S. XLIII. 2) Leo Maurits Gerard Cooperberg, Margaretha van Oostemrijk, land- voogdes der Niederlanden (Amsterdam 1908), S. 421. 3) Vgl. dazu Emil Dürr, Karl der Kühne und der Ursprung des habsburgisch- spanischen Imperiums (Histor. Ztschr., 113, 1914, S. 22 ff.); Franz Lindner, Die Zusammenkunft Kaiser Friedrichs III. mit Karl dem Kühnen von Burgund im Jahre 1473 zu Trier (Coslin 1876). 4) De faire iceluy seigneur Boi d'Austrazie, Entwurf zu einem „Etat“, einer der täglich aufgestellten Hoflisten, Rec. des Ord., III, 72. Vgl. Walther, a. a, O., S. 93, 97, 135. 5) S. 93. 6) Dürers Entwürfe für das Triumphrelief Kaiser Maximilians I. im Louvre (Jahrb. der kunsth. Samml. d. Kaiserin XXIX), S. 26; gegen die Ansicht Schestags, a. a. O. I, S. 174.