Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.

Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I. 95 daß der neue spanische König Karl keineswegs geringer und ärmer als ihre bisherigen Könige wäre, sondern auch im Zusammenhang mit der Eheabredung mit Ungarn war, wie Oswald Redlich ausgeführt hat, die Betonung der Gleichwertigkeit des österreichischen und des spani­schen Erbes von Wichtigkeit. Wollte doch der ungarische König seine kleine Tochter Maria nur an einen König verheiraten, und da Karl nicht in Betracht kam, mußte die königliche Stellung Ferdinands erst geschaffen werden. Zu diesem Zwecke wurden im Laufe der Zeit verschiedene Möglichkeiten erwogen. Hatte im Jahre 1513 Kaiser Max den Vorschlag gemacht, den Infanten mit dem Königreich Aragon abzufertigen, so machte, um dies abzuwehren, sofort König Ferdinand von Aragon den Gegenvorschlag, in Mailand für ihn eine Herrschaft einzurichten; die beiden Brüder Karl und Ferdinand könnten dann von Mailand und Neapel aus mit Hilfe Frankreichs leicht innerhalb weniger Wochen Venedig erobern, um es mit Mailand ,,zu einem hübschen Königreich“ zu verschmelzen 1). Nicht nur die Wieder­bringung Mailands zum Reich ist an der Ehrenpforte gewürdigt, sondern auch das Wappen des kunigreich Nider-Lumparthei, mit dessen eiserner Krone ja die römischen Könige immer gekrönt wurden, sollte in den Triumphzugsminiaturen nicht vergessen werden 2). Später dann war Neapel als Königreich Ferdinands gedacht (1515) 3), erst dann wurde wieder das österreichische Projekt in diesem Zu­sammenhang aufgegriffen. Die Wappen der Königserhebung Österreich-Burgunds an der Ehrenpforte aber stammen nicht aus jenen späten Jahren, sondern weisen auf die bekannten früheren Projekte zurück, die ich kurz in Erinnerung bringen will. Ist der Anspruch Österreichs auf die Königs­würde schon in dem Wappenbuch von 1507 4) mit Berufung auf die angeblichen Urkunden von Caesar und Nero, die seinerzeit das Privi­legium Majus bekräftigen sollten, betont worden — eine Anknüpfung 1) G. A. Bergenroth, Calender of letters, despatches and statepapers, vol. II, n. 152 f. (S. 185 und 187), n. 154 (S. 190). 2) Franz Schestag, Kaiser Maximilian I. Triumph (Jahrbuch der kunsthist. Sammlungen des a. h. Kaiserhauses, Bd. I, 1883), S. 167. Tatsächlich stammt das Programm zum Triumph, in dem das kunigreich Nider-Lumparthei erwTähnt ist, ungefähr aus dieser Zeit (1512/13). 3) Vgl. das weitere Projekt des Jahres 1517, ein Königreich Italien an Karl oder Ferdinand und ein Königreich Lombardei an Karl als Lehen zu geben. Die darüber ausgestellte Urkunde gedr. bei Lanz, Monumenta Habsburgica II/l, S. 37 ff.; vgl. darüber auch Bauer, a. a. O., S. 47. 4) Vgl. Coreth, a. a. O.

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