Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift
CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.
94 Anna Coreth die seiner Kaiserherrlichkeit den Nimbus eines princeps Christianitatis geben sollten, so war dies für ein eigenes Königreich, oder gar mehrere, gewiß nur ein Ersatz. Die Wichtigkeit des Projektes wird nicht zuletzt durch die feierliche Darstellung an der Ehrenpforte, wo ja alle Ruhmestaten des Kaisers bildlich festgehalten sind 1), bewiesen. Aber mag auch dieser Riesenholzschnitt ungefähr gleichzeitig mit dem Entwürfe zur Urkunde fertiggestellt worden sein, so erscheint hier der Plan doch ganz anders; der Vers über dem Bilde schon, redet von mehreren Königreichen, zu denen auch die burgundischen Länder gehören: Die Hewser Burgund Österreich / hat er gmacht tzierte kunigreich / Darin erhebt sein hohen starn. / Die Wappen zogen schon tzusam/Sein erben als tzu nutz und eer / Tzu dem im sinnd sein fürstlich geer. Die zugehörige Wappentafel zeigt tatsächlich nicht ein oder zwei Königswappen, sondern deren sechs, dazu drei Herzogswappen. Sie werden eingehend zu besprechen sein. Zunächst aber erregt die Zahl sechs unsere Aufmerksamkeit, denn erfahrungsgemäß wurden von Maximilian derartige Zahlen nicht nach den realen Verhältnissen gewählt, sondern sie waren programmatisch 2). Sehen wir aber an der Ehrenpforte etwas weiter, so finden wir zur Verherrlichung der spanischen Heirat den Vers: ... Er (Philipp) tzu im bracht erblicher weys / Sechs kunigreich mit hohem preis 3). Also wieder sind es sechs Königreiche, oder vielmehr, nach dem beigegebenen Wappen Johannas zu schließen, fünf spanische4) — nämlich Kastilien, Aragon, Leon, Sizilien und Granada — und dazu das königlich gekrönte burgundisch-österreichische Wappen Philipps. Dieses stünde aber keineswegs den mächtigen spanischen Reichswappen nach, so wollte man betonen, auch Österreich-Burgund wäre aus zahlreichen ausgedehnten Herrschaften zusammengesetzt, ja man könnte den sechs österreichisch-spanischen sogar auch sechs österreichisch-burgundische Königreiche gegenüberstellen. Nicht nur dem noch lebenden Alphons von Aragon und den spanischen Granden mußte bewiesen werden, 1) Neudruck als Beilage zum 4. Bd. des Jahrbuchs der kunsthist. Sammlungen des a. h. Kaiserhauses, Tafel 24 (Abbildung 3); auch reproduziert bei Dr. Valentin Scherer, Dürer (Klassiker der Kunst, Stuttgart u. Leipzig 1906), Tafeln XXIV und XXX. 2) Ich kann nur wieder an die „sieben christlichen Königreiche“ erinnern. Vgl. meinen Aufsatz a. a. O., S. 294 ff. 3) Tafel 26. 4) An der großen Wappentafel über dem Haupttor der Ehrenpforte prangen allerdings 24 spanische Königreiche und das Programm zum Triumphzug verzeichnet 16 hispanische kunigreiche.