Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

KOTZ, Wolfgang: Neues vom „Königsleutnant“. Ein nachträglicher Beitrag zum Goethe-Jahr

Neues vom „Königsleutnant“ 151 Besucher ein Pro memoria mit der Bitte um Vorlage an Colloredo überreichte, gab ihm einen Anstoß, sich neuerlich in einem Schreiben an Colloredo zu wenden. In diesem vom 17. Mai 1761 datierten Schreiben bemerkt Pergen eingangs, daß er von Herrn von Thoranne (sic!) ursprünglich nur gehört habe, daß er ein Schreiben vom Herzog von Choiseul erhalten habe, worin ihm „mit Vieler Lebhafftigkeit Verwiesen worden“ sei, daß er diese Standeserhöhung ohne vorläufige Anzeige bei seinem Hof verlangt habe. Dann erwähnt er die vorbezogene Visite und bemerkt, daß der Königsleutnant bei der Überreichung des Promemorias bemerkt habe, um so mehr zu hoffen, daß er (Pergen) es in die Hand Colloredo’s gelangen lassen werde, als nicht nur die von dem französischen Hof gemachten Anstände behoben worden seien, sondern von dort aus dem Königsleutnant zugesagt worden sei, daß man das Gesuch unterstützen wolle. Auch von dem Marschall (gemeint ist Broglie) sei ihm gemeldet worden, daß er ihm eine Gefälligkeit erzeigen würde, wenn er das Gesuch bei Colloredo unterstützen wolle. Auch Broglie habe in der Sache an Choiseul geschrieben, welch letzterer die Angelegenheit bei Colloredo rekommandieren wolle. Pergen führt in seinem Schreiben weiter aus, daß er deshalb Choiseul seine Unterstützung zugesagt habe, und schließt mit der Mitteilung, daß er vom Königsleutnant gehört habe, daß auch der Magistrat von vertrauter Seite (in dem damaligen Stil: „durch einen Vertrauten Canal“) aus Wien die Nachricht erhalten habe, daß die Ursache der Versagung des Ansuchens bloß von dem französischen Hof herrühre und daß nach Behebung des Anstandes das Gesuch gewiß Erfolg haben werde. Nun einige Worte über dieses Promemoria: Es ist von dem Königsleutnant nicht unterfertigt und von ihm offenbar nur sehr flüchtig gelesen (sein Name, der in der dritten Person genannt wird, wird stets „Thorane“ geschrieben) und stellt sich als eine Beantwortung des an Pergen gerichteten Schreibens Colloredo’s (offenbar ist hier das in französischer Sprache gehaltene Schreiben gemeint) dar. Zu Anfang wird darauf hingewiesen, daß für die Erteilung der Auszeichnung eine Zustimmung des Königs von Frankreich erforderlich sei. Dann wird bemerkt, daß eine allfällige Ablehnung den Anschein hervorrufen würde, daß er für nicht würdig des Reichs­grafentitels erachtet würde, und daß man vielleicht so weit gehen könnte, daran zu denken, daß irgend ein Mangel persönlicher Art oder in bezug auf seine Herkunft ihn davon ausschlösse, was für einen

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