Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

KOTZ, Wolfgang: Neues vom „Königsleutnant“. Ein nachträglicher Beitrag zum Goethe-Jahr

152 Wolfgang Kotz Mann von Stellung und alter Herkunft ein sehr unglückliches Präjudiz bilden müßte. Wenn bemerkt wird, daß sich die alten Familien des Reichsadels über den Einschub beschweren, so sei darauf hinzuweisen, daß er nicht dem Korps der Reichsadeligen angehöre und daß seine Erhebung keine Änderung in dem Rang dieser Familien und auch kein Präjudiz hervorrufen würde; übrigens könne es überhaupt keine Klage geben, wenn man die Motive des Ansuchens sowie den Umstand berücksichtige, daß es ein Reichsstand (gemeint ist die Reichsstadt Frankfurt) sei, der das Gesuch eingebracht habe, und daß es in Anerkennung der Verdienste eingebracht worden sei, daß er durch seine Wachsamkeit die Stadt vor den Unordnungen, denen sie durch die Anwesenheit einer großen Armee ausgesetzt war, bewahrt habe. Die Stadt Frankfurt sei sich ihrer Verpflichtung dem Königs­leutnant gegenüber, sowie auch dessen bewußt, daß ihr eine seiner Verdienste würdige Art der Belohnung nicht zur Verfügung stehe, weshalb sie sich wegen der Art der Belohnung an den Monarchen gewendet habe. Wenn die kaiserliche Majestät, die bereits so viel Grafenstandsdiplome verliehen habe, die Beweggründe der Bitte berücksichtigen wolle, werde sie vielleicht nie ein ähnliches Gesuch ßnden, das besser eine Berücksichtigung verdiene. Wenn auch der Kaiser nicht oft einen Adeligen zu dieser Würde mit Überspringung der Zwischenstufen erhebe, so schmeichle sich der Königsleutnant durch die Hoffnung, daß in Berücksichtigung der angeführten Beweg­gründe der Kaiser zu seinem Gunsten von dieser Übung abweichen werde. Er würde sich wohl auch durch einen niedrigeren Titel sehr geehrt fühlen, da aber der Grafentitel von der Stadt Frankfurt aus­drücklich erbeten worden sei, würde es, falls er ihn nicht erhielte, den Anschein haben, daß er für dessen nicht würdig erachtet worden sei. Schließlich eine Eventualbitte für den Fall, als der Übergang eines Titels von einem Bruder auf den anderen auf Schwierigkeiten stoßen sollte: in diesem Falle würde er für seine Person freiwillig Abstand nehmen und Colloredo ersuchen, den Kaiser zu bitten, seinen älteren Bruder Albert de Theas de Caille auszuzeichnen, damit, da er selbst unverheiratet sei, diese hohe Würde in der Familie vererblich bleibe. Dem vom 9. Juni 1761 datierten Antwortschreiben Colloredo’s an Per gen ist zu entnehmen, daß eine weitere Ausfertigung des Promemorias durch den Botschafter Grafen von Choiseul Colloredo zugekommen war und daß der Herzog von Choiseul seinerzeit den kaiserlichen Botschafter in Paris Grafen Starhemberg

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