Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift
KOTZ, Wolfgang: Neues vom „Königsleutnant“. Ein nachträglicher Beitrag zum Goethe-Jahr
144 Wolfgang Kotz über den „Königsleutnant“, nämlich Schubart’s Werk: „Francis de Theas Comte de Thoranc“, ist wohl, wie aus dem hier in Betracht kommenden Kapitel XIII („Die Erhebung in den Reichsgrafenstand“) hervorgeht, in Kenntnis des Diplomswortlautes nach der im Reichsregisterbuch enthaltenen Abschrift, jedoch ohne Benützung der Akten des Adolsarchives abgefaßt (im übrigen bezieht er sich in seinen Ergebnissen auf Aufzeichnungen aus dem Nachlaß des „Königsleutnants“ und aus dem Archiv der Stadt Frankfurt) —, habe ich mich entschlossen, die Arbeit zu einer Untersuchung über den ganzen Verlauf der Standeserhöhungsangelegenheit auf Grund der Akten des Adelsarchives auszugestalten, wodurch diese Untersuchung auch dem Literarhistoriker viel Neues bringen und namentlich einen Beitrag zu der, wie Schubart auf Seite 93 bemerkt, noch fehlenden genaueren Spezialforschung bieten wird. Für den Archivar wird es von Wert sein, daß in dem Konvolut weit über den Durchschnitt hinaus Zwischenerledigungen erhalten geblieben sind, die einen recht weitgehenden Einblick in die Genesis der Verleihung und in die Schwierigkeiten, die sich der Standeserhöhung entgegenstellenden Hindernisse schließlich doch zu überwinden, Auskunft geben, wodurch ein Einblick in den internen Geschäftsgang der Reichskanzlei geboten wird. Leider sind in dem Aktenbestand offensichtlich Lücken vorhanden, so daß auch der erfahrene Kenner der Kanzleiverhältnisse wiederholt genötigt ist, zu Kombinationen und Vermutungen Zuflucht zu nehmen. Der erste Punkt der Untersuchung mag der Frage der Klärung der Namensführung gelten, welcher auch in dem Buch von Schubart ein eigenes Kapitel gewidmet ist: Der Familienname des Königsleutnants lautet Theas (Schreiben des Bevollmächtigten Ministers am Kurmainzischen Hofe Grafen Perge n an den Reichsvizekanzler Grafen Colloredo vom 11. Februar 1761); Thoranc ist lediglich der Name des von dem Königsleutnant besessenen Lehensgutes (so wie „Caille“ der Name des seinem Bruder Albert gehörenden Lehensgutes ist), also im Sinn der üblichen genealogischen Terminologie eigentlich ein sogenanntes „Linienprädikat“. Daß aus einem undeutlich geschriebenen Schluß-c eines fremdsprachlichen Namens leicht ein e werden kann, liegt auf der Hand, und zwar um so mehr, als der Mehrgenannte selbst auf eine richtige Schreibung seines Namens kein besonderes Gewicht gelegt zu haben scheint, da die Schreibweise „Thorane“ sogar in einem von ihm selbst dem Grafen Pergen überreichten und von