Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

KOTZ, Wolfgang: Neues vom „Königsleutnant“. Ein nachträglicher Beitrag zum Goethe-Jahr

Neues vom „Königsleutnant“. Ein nachträglicher Beitrag zum Goethe-Jahr. Von Wolfgang Kotz. Das Jahr 1949, in dem die ganze Welt den 200jährigen Gedenktag der Geburt Goethe’s feierte, bot Anlaß, sich nicht nur mit dem Dichter selbst, sondern auch mit solchen Personen näher zu befassen, die mit Goethe in Verbindung gestanden und uns durch diese Ver­bindung bekannt geworden sind. Zu diesen Personen gehört auch der uns durch „Dichtung und Wahrheit“ näher gebrachte „Königsleutnant“ Franz de Theas Thoranc, der unser Interesse jedoch nicht allein durch sein Zusammen­treffen mit Goethe sondern auch dadurch verdient, daß er kraft seiner Stellung in der Geschichte zweier Nationen eine gewisse Rolle gespielt hat, wofür er mit Diplom vom 2. Jänner 1762 in den Reichsgrafen­stand erhoben worden ist. Die Tatsache seiner Standeserhöhung war bereits bisher der Fach­welt wohl bekannt. Der Umstand jedoch, daß es mir gelungen ist, bei Gelegenheit einer archivalischen Inventarisierung eines unter den Beständen des ehemaligen Adelsarchives verwahrten, bis dahin ungeordneten, als „Reichsadelsverhandlungen“ bezeichneten Akten­komplexes, der Aktionen enthielt, die nicht zu einem positiven Ergeb­nisse geführt haben, darin auch ein Konvolut aufzufinden, welches das Ansuchen des soeben in den Grafenstand erhobenen „Königs­leutnants“ um Übertragung des Grafenstandes auf seinen Neffen zum Gegenstand hat, darf wohl, wenn auch dieses Ansuchen — offen­bar infolge der Höhe der Taxen, die mit der Stattgebung der Bitte verbunden gewesen wären — keine Erledigung gefunden hat und die Aktion schließlich im Sande verlaufen ist (weshalb die archivalische Einordnung des Konvolutes in den Komplex der Reichsadels­verhandlungen gerechtfertigt war) Anlaß bieten, die Öffentlichkeit mit dem Inhalt des neu aufgefundenen Aktenkonvolutes bekannt zu machen. Da ich bei meinen Untersuchungen festgestellt habe, daß auch die bereits früher in Evidenz gestandenen Adelsakten der Fach­welt nicht bekannt waren — die bisher ausführlichste Abhandlung

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