Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

GOLDINGER, Walter: Von Solferino bis zum Oktoberdiplom

118 Walter Goldinger eines „letzten Vorschlages“, den Thun ausgearbeitet hatte, scheiterte '). Ein deutliches Mahnmal dessen, daß die ungarische Frage mit dem bisherigen Mitteln nicht zu entwirren war. Über jene Verhandlungen, die seit Jahresbeginn in der Minister­konferenz geführt wurden und deren Ergebnis in der „Verstärkung“ des Reichsrates und der Ablösung des Erzherzogs Albrecht durch Benedek in Erscheinung trat, sind wir durch die Untersuchungen Josef Redlichs eingehend unterrichtet2). Auch aus seiner Darstellung tritt der heftige Kampf der österreichischen Adelspartei um die Durchsetzung ihrer Ziele und die immer stärkere Isolierung, in die ihr Vertreter, Leo Thun, in der Ministerkonferenz mehr und mehr gedrängt wurde, deutlich hervor. In einer Aufzeichnung vom 14. April3), die nach seiner Gewohnheit als Gedankengang einer Besprechung mit dem Kaiser angesehen werden darf, hat er festgehalten, es gebe für Ungarn keine Wahl als absolut zu regieren oder volle Gewährung aller Forderungen. Ersteres sei unmöglich. Man würde dafür kein Ministerium zusammenbringen und die Sache auch nicht vor dem Reichsrat rechtfertigen können. Als Ausweg sieht er an, den Grundsatz aufzustellen, der Monarch müsse nicht tun, was verlangt wird, könne aber ohne Vereinbarung nichts Neues tun. Er hofft, für diese Anschauung Rechberg, vielleicht auch Bruck gewinnen zu können, bei Goluchowski sieht er es als aussichtslos an. Er merkt sich auch für die Umbildung der Regierung, die unter diesen Umständen gebildet werden könnte, eine Ministerliste an, in der Clam und Hübner erscheinen, Plener für Finanzen in Aussicht genommen ist. Szögyényi sollte Minister ohne Portefeuille werden, allerdings unter der Voraussetzung, daß sich Thun vorher in der Protestantenfrage mit ihm einigen könne. Er wollte sich die Ermächtigung erbitten, mit ihm Fühlung nehmen zu dürfen. Sollte aber der Kaiser die Rückkehr zu „Rechtsideen“ ablehnen, So wollte Thun seine Demission geben. Eine solche Verbindung mit Szögyényi ist tatsächlich erfolgt. Es war damit ein Faden mehr in jenes Geflecht verwoben, das die geführt haben. D 559. Vgl. auch Zimmer mann, a. a. O., 27 f. Über den Miß­erfolg der Mission Prónays vgl. sein Schreiben an Rechberg vom 2. März (Abschrift im Nachlaß Thun, D 564). Der ungarische protestantische Klerus hat aber ebenso wie evangelische Kreise in Deutschland das Protestantenpatent Thuns durchaus positiv bewertet (D 563, 570, 572, 574). 1) D 570, 579. 2) Redlich, a. a. O., 491 ff. •>) D 569.

Next

/
Oldalképek
Tartalom