Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.

Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I. 101 bestimmtheit, es bleibt wohl die Wahl zwischen dem Hennegan, dessen Hauptstadt Bavay war, und Lüttich, welch letzteres aber nicht zu Burgund gehörte und dessen Wappen auch nicht von Maximilian geführt wurde 1). Sclavania oder Wynnden ist ganz klar als Slovenien oder die windische Mark aufzulösen und umfaßt, wie das zugehörige Wappen zeigen wird, die Territorien des südlichen Österreich. Nicht ohne Spannung fragen wir nun schon nach den bildlichen Wappendarstellungen, auf die sich das Programm bezieht, und finden, daß die entsprechende Gruppe von Wappenträgern zwar in der späteren Holzschnittfolge des Triumphzuges ausgelassen ist, aber in die wunder­bare Serie der gemalten Tafeln aus der Köldererwerkstatt, die so­genannten „Miniaturen“ 2), aufgenommen wurde. Äußerlich ist die Gruppe ähnlich angeordnet wie die des Programms, leider tragen die Wappen, die auf die Fahnen der Bannerträger gemalt sind, keine Kronen und auch keine Bezeichnungen. Daß es sich aber hier um die Wappen der österreichisch-burgundischen Königreiche handelt, ist ohne jeden Zweifel dadurch bewiesen, daß die Wappen, wenn auch in anderer Reihenfolge, bis ins kleinste mit denen der Königserhebung an der Ehrenpforte übereinstimmen. So kann die Bestimmung der Wappen nach der Triumphzugsgruppe begonnen werden, wobei auf die Ehrenpfortendarstellungen, die in Abbildung 3 beigegeben sind, durch E mit Nummer (von links nach rechts, von oben nach unten) verwiesen wird 3). Die Gruppe des Triumphzugs wird von zwei Wappentafeln an­geführt, die keinesfalls Königtümer bezeichnen — sie stehen an der Ehrenpforte unter den drei Herzogtümern. Die erste hat als Herz- schild den Bindenschild (rot-weiß-rot: Österreich), Feld 1 und 4 b Nach Mennel (Cod. 3075, fol. 8), der sich auf eine belgische Chronik beruft, wäre der von den Habsburgern im Wappen geführte Pfau von Bavo, dem ersten König von Gallia Belgica übernommen worden, die Lautähnlichkeit Bavo-Pfau spreche dafür. Ein neuerlicher, natürlich abwegiger Versuch, alte Geschichts­verbindungen zwischen den burgundischen Landen und den neuen habsburgischen Regenten herzustellen. 2) Wien, Albertina, Tafeln 251—253. Vgl. Katalog der Handzeichnungen in der Graphischen Sammlung Albertina, hrsgg. von Alfred Stix, Bd. IV. 3) Zur Bestimmung der Wappen müssen vor allem die Wappentafeln über dem Mittelportal der Ehrenpforte Maximilians, dann auch die Handschriften des „Österreichischen Ehrenwerkes“ des Hans Jakob Fugger in der Wiener National- Bibliothek (Cod. Vind. 8613, 8614, 8614 x) und andere Wappenbücher heran­gezogen werden.

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