Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 2. (1949)
Festfeier des Österreichischen Staatsarchivs aus Anlaß des 200jährigen Bestandes des Haus-, Hof- und Staatsarchivs am 21. und 22. September 1949
42 Archivberichte II: Festfeier des Staatsarchivs Deutschland zu finden sein wird“, zu erreichen. So kam es zur Berufung des Würzburgers Michael Schmidt. Er hatte sich durch seine Werke einen Namen gemacht und zählte zu den führenden Aufklärern des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Kaunitz, der die Universität in Göttingen besucht hatte, und Michael Schmidt, diese beiden schenkten dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv ihre Fürsorge. Das war natürlich in vielen Beziehungen von großer Bedeutung. Es hatte aber auch zur Folge, daß der Gedanke einer österreichischen Nationalerziehung, der mit ihrem Wirken und mit dem Archiv in Verbindung stand, nicht in seiner ganzen Tiefe durchgeführt wurde, sondern sich mit der Heranbildung guter Staatsbürger und Beamter begnügte. Die emporsteigende neue Geistesrichtung der Romantiker brachte hier eine segensreiche Wandlung. Sie hat in den Ländern zur Bildung besonderer Pflegestätten historischer Forschung geführt und damit zu einem großen Aufschwung im Rahmen der Museal vereine. Was von da her in die österreichische Geschichtsforschung eingeströmt ist, läßt sich am besten in der Gestalt des Chorherrn Joseph Chmel in St. Florian erkennen, der lange Zeit der eigentliche Leiter des Haus-, Hof- und Staatsarchivs gewesen ist. Durch seine Verbindung zur neugegründeten Akademie der Wissenschaften und durch sein Wirken für die Herausgabe der „Fontes rerum Austriacarum“ ist auch das Haus-, Hof- und Staatsarchiv zur literarischen Anstalt geworden. Ein solches Ziel hatte schon dem größten österreichischen Patrioten Josef Hormayr vorgeschwebt, an dessen „Archiv zur Geschichte Österreichs“ und an dessen „Österreichischen Plutarch“ hier ehrend erinnert sei. Auch der große Staatskanzler Metternich hatte solche Absichten wohlwollend gefördert. Das Amt eines Reichshistoriographen, das zunächst Hormayr bekleidet hatte, wurde 1847 doppelt besetzt. Einmal mit Hurter, dann mit dem späteren Propst von St. Florian Jodok Stülz. Stülz ist der geistige Vater des Urkundenbuches des Landes ob der Enns. Stülz steht auch in geistiger Verbindung mit dem 1854 gegründeten Institut für österreichische Geschichtsforschung. Diese Anstalt steht seit nunmehr fast 100 Jahren in engster persönlicher und geistiger Beziehung zum Haus-, Hof- und Staatsarchiv. Sie hat freilich von ihren Gründern, dem Grafen Thun und dem Freiherrn von Helfert, noch andere Aufgaben mit auf den Weg bekommen. Sie sollte in erster Linie zur Heranbildung von Professoren der österreichischen Geschichte an den Hochschulen der weiträumigen Monarchie führen. Dieses Ziel war natürlich nicht mit einem Schlag erreichbar. Es war also gut und wichtig, daß sowohl die Länder ihre eigene Landesgeschichte pflegten als auch, daß abseits von der Universität ein bedeutender und fruchtbarer österreichischer Geschichtsschreiber hervorgetreten ist: Alfred von Arneth, der lange Jahre Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs war. Diesem Repräsentanten einer gesamtösterreichischen Historiographie ist besonders zu danken, daß sich unter ihm die Riegel, die der wissenschaftlichen Forschung den Zutritt zu den Schätzen des Haus-, Hof- und Staatsarchivs noch versperrten, weitgehend lockerten und eine immer stärkere Ausbeutung der dort verwahrten Quellen ermöglichten. Denkt man daran, daß Ranke, der schon 1827 unter Förderung Metternichs am Wiener