Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 2. (1949)
Festfeier des Österreichischen Staatsarchivs aus Anlaß des 200jährigen Bestandes des Haus-, Hof- und Staatsarchivs am 21. und 22. September 1949
Ansprache des Herrn Bundesministers für Unterricht 43 Archiv gearbeitet hatte, die Forschung über neue Geschichte grundsätzlich auf die Akten der Archive gestellt hat, so wird man die Bedeutung erkennen, die den weltumspannenden Beständen des Haus-, Hof- und Staatsarchivs zukommt. Hält man den Auftrieb dazu, den die historische Forschung durch die Eröffnung des Vatikanischen Archivs erfahren hat, so treten in diesem Zusammenhang auch jene Leistungen hervor, die von Wien ausgegangen sind, von der Akademie in die Wege geleitet, in Rom bearbeitet und dabei doch immer wieder vom Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv unterstützt worden sind. Man denke etwa an die Herausgabe der „Venezianischen Berichte“ vom Kaiserhof, an die Herausgabe der „Nuntiatur-Berichte“, dann an alle Unternehmungen, die von der Kommission für neuere Geschichte Österreichs in die Wege geleitet worden sind. Auch die Bearbeitung der österreichischen Staatsverträge, die Herausgabe der Korrespondenzen österreichischer Herrscher, die acta extera Karls V., dann das große Aktenwerk über die Vorgeschichte des ersten Weltkrieges müssen in diesem Zusammenhang genannt werden. Doch nicht allein die diplomatische Staatengeschichte ist das Feld, auf dem sich die zahlreichen Forscher, die im Haus-, Hof- und Staatsarchiv zu Gaste waren, bewegen. Auch Fragen der inneren Geschichte, der Verfassungs-, Verwaltungs- und Rechtsgeschichte finden in den Beständen des Archivs immer wieder neue Aufgaben. Die Bearbeiter der österreichischen Weistümer, des historischen Atlasses der Alpenländer, dann die Sozial- und die Wirtschaftshistorkier konnten am Haus-, Hof- und Staatsarchiv ebensowenig vorübergehen wie ausländische Forscher, die die Quellen des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in umfangreicher Weise untersucht haben und noch untersuchen. Es ist ja auch klar, daß die unerhört reichen Bestände, die zum Teil aus einer Zeit stammen, da Wien der Mittelpunkt eines weltumspannenden Reiches war, für eine sehr große Zahl von Staaten von Bedeutung sind. Dazu kommt noch, daß eine große Anzahl von Privatarchiven hier verwertet wird, die ebenfalls der Forschung zugänglich sind und die gleichfalls weit über die Grenzen des Landes hinausreichen. Alle diese Schätze sind so reich, daß einige Nachfolgestaaten der ehemaligen Monarchie in Wien ständige Archiv- Delegationen errichtet haben. Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv ist enge verbunden vor allem mit der Geschichtswissenschaft, aber auch mit den anderen wissenschaftlichen Disziplinen. Viele Zweige der Wissenschaft empfangen aus den Beständen des Haus-, Hof- und Staatsarchivs die reichsten Anregungen, verwerten diese und geben durch eben diese ihre Tätigkeit wieder zurück, was sie aus dem schier unerschöpflichen Born des Archivs genommen haben. Die österreichische Unterrichtsverwaltung nimmt daher mit besonderem und berechtigtem Interesse Anteil an dem Jubiläum des 200jährigen Bestehens des Haus-, Hof- und Staatsarchivs. Die österreichische Unterrichtsverwaltung hofft, daß das enge und gute Verhältnis wechselseitig befruchtender Zusammenarbeit weiterdauern möge in Zeiten, die den Wissenschaften günstiger gesinnt sind, als es die letzten Jahrzehnte waren. Ich danke namens des Bundesministeriums für Unterricht den Anregern und Veranstaltern des „Ersten österreichischen Archivtages“ und der