Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 2. (1949)
LHOTSKY, Alphons: Handschriftenausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek anläßlich des Ersten Österreichischen Archivtages. Handschriftliche Denkmäler der Geschichte Österreichs
Handschriftliche Denkmäler der Geschichte Österreichs 23 Text in der Festgabe für Hermann Grauert (Freiburg 1910), S. 193 ff., zur Sache auch Oswald Redlich, Die Pläne einer Erhebung Österreichs zum Königreich (Zeitschrift des Historischen Vereins für Steiermark 26, 1931, S. 87 ff.). Aus technischen Gründen mußte die Auslegung dieser Handschrift unterbleiben, doch ist der Kreis Maximilians noch durch das hübsche Elogium auf Leben und Hinscheiden seiner Tochter Margaretha von Cornelius Schryvers (cod. n. 2557) vertreten, wo vorne eine Nr. 33 interessante Wappenkomposition Savoyen-Burgund-Österreich (die Erzherzogin war Witwe Herzog Philiberts II.) und ihre nachdenkliche Devise Fortune — infortune — fort une zu sehen ist. Vgl. Karl Brandi, Kaiser Karl V., 2. Auflage (München 1937), 2. Bd., S. 73 ff. Aus der ersten Hälfte (eher gegen Mitte) des 16. Jahrhunderts stammen die sauber geschriebenen Collectanea eines Sammlers antiker Inschriften (cod. n. 3540), wo f. 16 unerwarteterweise eine flüchtige Nr. 34 Abbildung des Portraitgrabmals König Rudolfs I. in Speyer zu finden ist. Wichtiger als diese Skizze ist aber die Überschrift Statua Rudolf! regis Spirae in Haimpacher hoff, aus der einwandfrei hervorgeht, daß die Verschleppung des Grabsteins aus dem Dome keineswegs durch die Franzosen (gelegentlich des Einfalles in die Pfalz 1689) erfolgte, vielmehr mit dem von Maximilian I. ausgegangenen Projekt einer Neuanlage der Kaisergräber in Verbindung zu stehen scheint. Ein diesbezüglicher Bericht von Alphons Lhotsky ist in der Festschrift für Edmund Stengel 1949 erschienen, von der zur Zeit leider noch kein Exemplar nach Österreich gelangt ist. Der gewaltige cod. n. 8614 ist der erste Band des berühmten Nr. 35 Fuggerschen „Ehrenspiegels“ des Hauses Österreich, der um Mitte des 16. Jahrhunderts entstand und 1667 in Nürnberg in freier Bearbeitung durch Sigmund von Birken im Drucke veröffentlicht wurde. Die Wiener Handschriften sind Kopien; die Originale sind die Cmg. nn. 895 und 896 der bayrischen Staatsbibliothek. Vgl. im allgemeinen Otto Hartig, Die Gründung der Münchener Hof bibliothek (Abhandlungen der Kgln. bayer. Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-philologisch-historische Klasse 28, 3. Abhandlung 1917), S. 197 ff. und 332 ff. Der „Ehrenspiegel“ steht noch völlig auf dem Boden der unter Maximilian I. gepflegten, vorwiegend genealogisch gerichteten Historiographie. Erst in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entwickelte sich aus reger Sammlerarbeit ein neuer Darstellungstypus, dessen specimina vorzulegen der Raum mangelte — hier sollten Werke von Wolfgang Lazius, Reichard Streun von Schwarzenau, Job Hartmann