Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 2. (1949)

LHOTSKY, Alphons: Handschriftenausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek anläßlich des Ersten Österreichischen Archivtages. Handschriftliche Denkmäler der Geschichte Österreichs

20 Alphons Lhotsky Stephan Endlicher, Die Denkwürdigkeiten der Helene Kottannerin (Leipzig 1846); vgl. dazu Gustav Ereytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit, und Ottokar Lorenz, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter seit der Mitte des 13. Jahrhunderts I (3. Auflage, Berlin 1886), S. 228, Anm. 1. Eines der eigenartigsten Handschriftendenkmäler des Spätmittel­alters ist das größtenteils eigenhändig geführte Notizbuch Kaiser Nr. 24 Friedrichs III., cod. n. 2674. Es gewährt einen kennzeichnenden Einblick in die intellektuelle Sphäre dieses rätselhaften Charakters; die eigenhändige Eintragung einer auf Österreich bezüglichen Deutung seiner Devise AEIOV wurde lange Zeit für die authentische Lösung gehalten, doch scheint es sich nur um eine der vielen von anderen versuchten Interpretationen zu handeln. Die aufgeschlagene Seite (f. 21') zeigte eine längere ausradierte, aber im 19. Jahrhundert chemisch behandelte Eintragung von Friedrichs eigener Hand, worin heftige Klage geführt wird über die Exzesse der österreichischen Stände gelegentlich der Begentschaftsverhandlungen im Herbst 1439; man soll damals die Absicht gehabt haben, den mißliebigen Fürsten zu fangen und zu „kreuzigen“. Vgl. Alphons Lhotsky, Die sogenannte Devise Kaiser Friedrichs III. und sein Notizbuch (Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien, Neue Folge 13, 1944, S. 71 ff.). Seltsamerweise hat sich vor kurzem eine Bestätigung dieser auf­fälligen Nachricht in den leider nur aus drei Blättern bestehenden Resten des Konzeptes einer gewiß einst recht umfangreichen und gut Nr. 25 erzählenden deutschen Chronik des 15. Jahrhunderts cod. ser. nov. n. 3964 (f. 2—3) gefunden, die vor hundert Jahren aus dem Hof­kanzleiarchiv verschwunden waren und im Jahre 1900 aus dem Nachlaß des 1867 verstorbenen Archivdirektors Emil Trimmei in die Hof­bibliothek gelangten. Sie sind soeben veröffentlicht worden; siehe Alphons Lhotsky, Eine unbeachtete Chronik Österreichs aus der Zeit Kaiser Friedrichs III. (Festschrift zur Feier des zweihundert- jährigen Bestandes des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien, Wien 1949, S. 538 ff.). Der ansehnlichste Chronist des Zeitalters Kaiser Friedrichs III. war der aus der Gegend von Stockerau gebürtige Wiener Theologe Nr. 26 und Universitätsprofessor Dr. Thomas Ebendorfer. Seit seinen Jugendtagen dank guten Beziehungen zu den Herren von Kuenring der Dynastie bekannt und unter Albrecht V. zu Einfluß gelangt, ist er auch Friedrich III. in den ersten Jahren zur Seite gestanden, bis aus politischen Gründen eine Entfremdung eintrat. Anfangs 1464

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