Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 2. (1949)
LHOTSKY, Alphons: Handschriftenausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek anläßlich des Ersten Österreichischen Archivtages. Handschriftliche Denkmäler der Geschichte Österreichs
Handschriftliche Denkmäler der Geschichte Österreichs 21 ist Ebendorfer gestorben. Friedrich III. selbst hatte den Gelehrten zur Abfassung einer Kaiserchronik angeregt, deren Originalniederschrift in cod. n. 3423 (aufgeschlagen f. 165 Anfang) vorliegt; die 1451 datierte Reinschrift für Friedrich gehört seit 1858 dem Britischen Museum — ein der gütigen Vermittlung durch das Warburg-Institut in London verdanktes Faksimile dieser Handschrift konnte dem Autograph gegenüber gezeigt werden. Vgl. Alfred Francis Pribram, Thomas Ebendorfers Chronica regum Romanorum (Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung Erg.-Bd. 3, 1890—94, S. 38 ff.), besonders S. 43 ff., und Alphons Lhotsky, Studien zur Ausgabe der Österreichischen Chronik des Thomas Ebendorfer III/IV (ebdt. 57,1949), besonders S. 197 ff. Die nicht für den Kaiser, sondern für die Wiener Studenten begonnene Cronica Austrie liegt leider nur in Abschriften Nr. 27 vor, unter denen die im Jahre 1509/10 angefertigte, cod. n. 7583, die wichtigste ist. Das Werk war ursprünglich auf dreiBücher berechnet, wurde von Ebendorfer nach 1452 tagebuchartig fortgeführt, so daß noch ein viertes Buch vollendet, ein fünftes begonnen wurde. Die gezeigte Handschrift und alle auf sie zurückgehenden Abschriften ermangeln des ganzen ersten und halben zweiten Buches; dieses hat der oberösterreichische Sammler Baron Job Hartmann von Enenkel im Jahre 1614 nach dem zum letzten Male in seinem Besitze nachweisbaren und seither verschollenen Original, leider sehr mangelhaft, kopiert. Eine Endredaktion dieser Chronik Österreichs scheint gar nicht erfolgt zu sein; so ist sie formal eines der schwächsten Werke Ebendorfers, obwohl sie freilich für die Forschung von hohem Interesse bleibt. Näheres siehe Alphons Lhotsky, Studien zur Ausgabe der Österreichischen Chronik des Thomas Ebendorfer I/II (Deutsches Archiv 6, 1943, S. 188 ff.) und III/IV (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 57, 1949, S. 193 ff.). Die schon dringend nötige kritische Ausgabe der Cronica Austrie durch die Österreichische Akademie der Wissenschaften (Bearbeitung durch Alphons Lhotsky) wird eine neue Biographie Ebendorfers in der Einleitung bieten; siehe inzwischen Lhotskys Vortrag Thomas Ebendorfer im Jahrbuche des Vereines für Geschichte der Stadt Wien 5/6 (1946/47), wo S. 104, Z. 15 und 17 statt Andreas von Regensburg richtig Veit Arnpeck zu lesen ist. Historiographisch auf ungleich höherer Stufe steht die Historia Friderici III. des großen Humanisten Enea Silvio Piccolomini Nr. 28 (als Papst Pius II.). Wien besitzt im cod. n. 3364 ein Autograph dieses Werkes, dessen mehrfache Redaktion Hans Kramers eingehende