Komjáthy Miklós: Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1914–1918) (Magyar Országos Levéltár kiadványai, II. Forráskiadványok 10. Budapest, 1966)
Protokolle
zum Ausdruck gebracht. Vermutlich in der irrigen und politisch sehr falschen Meinung, Rußland werde doch nicht an der Seite Serbiens eingreifen und der Konflikt werde isoliert bleiben. Der Ministerrat befaßte sich zum erstenmal mit der italienischen Frage. Sie wurde dann in den Sitzungen vom 8. und 19. August, 7. und 20. September, 31. Oktober 1914, 3. Februar und 8. März 1915 wiederholt behandelt, in immer pessimistischerem Ton; schließlich ging es um die Sicherung der Neutralität Italiens und dann: wie, eventuell unter welchen Opfern Italien zurückgehalten werden könnte, gegen seinen einstigen Verbündeten bewaffnet aufzutreten. Protokoll des zu Wien, am 31. Juli 1914 abgehaltenen Ministerrates für gemeinsame Angelegenheiten, unter dem Vorsitze des Ministers des k.u.k. Hauses und des Äußern Grafen Berchtold. K.Z. 60. - G.M.K.P.Z. 514. Gegenwärtige: der k.k. Ministerpräsident Graf Stürgkh, der kgl. ungMinisterpräsident Graf Tisza, der k.u.k. gemeinsame Finanzminister Ritter von Biliiiski, der k.u.k. Kriegsminister FZM. Ritter von Krobatin, der kgl. ung. Minister am Allerhöchsten Hoflager Freiherr von Burián, der Stellvertreter des k.u.k. Marinekommandanten Konteradmiral v. K a i 1 e r. Protokollführer : Legationsrat Graf Hoyos. Gegenstand: Beratung über den englischen Vermittlungsvorschlag und über Kompensationen an Italien. Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung und verliest einen Tagesbericht vom 30. d. M.* Hieran anknüpfend erklärt Graf Berchtold, er habe dem deutschen Botschafter, als dieser ihm den englischen Vorschlag vorlegte, sogleich erklärt, dass eine Einstellung unserer Feindseligkeiten gegen Serbien unmöglich sei. Über den Vermittlungsvorschlag könne er nicht allein entscheiden, sondern er müsse hierüber die Befehle Seiner Majestät einholen und die Angelegenheit im Ministerrate besprechen. Er habe dann Seiner k. und k. Apostolischen Majestät über den Inhalt der Demarche des deutschen Botschafters Vortrag erstattet, AllerhöchstweIcher sofort erklärt habe, dass die Einstellung der Feindseligkeiten gegen Serbien unmöglich sei. Seine Majestät habe aber den Antrag genehmigt, dass wir es zwar sorgsam vermeiden, den englischen Antrag in meritorischer Hinsicht anzunehmen, dass wir aber in der Form unserer Antwort Entgegenkommen zeigen und dem Wunsche des deutschen Reichskanzlers, die Regierung 0 nicht vor dem Kopf zu stossen, auf diese Weise entgegenkommen. *) Laut Tagesbericht hat der deutsche Botschafter in Wien, Tschirschky, am 30. Juli Außenminister Berchtold über die Unterredung zwischen Sir E. Grey und dem deutschen Botschafter in London, Fürst Lichnowsky, informiert. Sir Grey soll mitgeteilt haben, England denke auf Ansuchen Rußlands an eine Vermittlung à quatre, unter der Bedingung der Einstellung der Feindseligkeiten gegen Serbien (S. Österreich —Ungarns Außenpolitik. Band VIII, Nr. 11025). a) Sic!