Komjáthy Miklós: Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1914–1918) (Magyar Országos Levéltár kiadványai, II. Forráskiadványok 10. Budapest, 1966)
Protokolle
Die Antwort an die deutsche Regierung sei noch nicht ausgearbeitet, er könne aber jetzt schon sagen, dass bei ihrer Textierung auf drei Grundprinzipien Bedacht zu nehmen sein werde, nähmlich 1. Die kriegerischen Operationen gegen Serbien müssen fortgesetzt werden. 2. Wir könnten über den englischen Vorschlag nicht unterhandeln, solange die russische Mobilisierung nicht eingestellt werde und 3. unsere Bedingungen müssten integral angenommen werden und wir könnten uns in keine Verhandlungen über dieselben einlassen. Erfahrungsgemäss versuchten die Mächte in solchen Fällen immer Abstriche bei Weitergabe seitens einer Macht aufgestellter Bedingungen zu machen, es sei sehr wahrscheinlich, dass man dies auch jetzt versuchen würde, wo bei der jetzigen Zusammensetzung Frankreich, England und auch Italien den russischen Standpunkt vertreten würden und wir an dem gegenwärtigen deutschen Vertreter in London eine sehr zweifelhafte Stütze hätten. Von dem Fürsten Lichnowsky sei alles andere zu erwarten, als dass er unsere Interessen warm vertreten würde. Wenn die Aktion jetzt nur mit einem Prestigegewinne endete, so wäre sie seiner Ansicht nach ganz umsonst unternommen worden. Wir hätten von einer einfachen Besetzung Belgrads gar nichts, selbst wenn Russland hiezu seine Einwilligung geben würde. Alles dies wäre Flitterwerk, Russland würde als Retter Serbiens und namentlich der serbischen Armee auftreten. Letztere würde intakt bleiben und wir hätten in zwei bis drei Jahren wieder einen Angriff Serbiens unter viel ungünstigeren Bedingungen zu gewärtigen. Er beabsichtige daher, auf den englischen Vorschlag in sehr verbindlicher Form zu antworten, dabei aber die vorerwähnten Bedingungen zu stellen und zu vermeiden, auf den meritorischen Teil einzugehen. Der gemeinsame Finanzminister weist darauf hin, dass durch unsere Mobilisierung eine ganz neue Situation geschaffen worden sei. Vorschläge, die in einem früheren Zeitpunkte akzeptabel gewesen wären, seien jetzt nicht mehr annehmbar. Der kgl. ung. Ministerpräsident erklärt, er schliesse sich den Ausführungen des Vorsitzenden vollkommen an und sei auch der Ansicht, dass es verhängnisvoll wäre, auf das Meritum des englischen Vorschlages einzugehen. Unsere Kriegsoperationen gegen Serbien müssten jedenfalls ihren Fortgang nehmen. Er frage sich aber, ob es notwendig sei, schon jetzt überhaupt unsere neuen Forderungen an Serbien den Mächten bekanntzugeben und würde vorschlagen, die englische Anregung dahin zu beantworten, dass wir prinzipiell bereit wären, derselben näherzutreten, jedoch nur unter der Bedingung, dass unsere Operationen gegen Serbien fortgesetzt werden und die russische Mobilisierung eingestellt werde. Der k.k. Ministerpräsident führt aus, der Gedanke einer Konferenz sei ihm so odios, dass er selbst ein scheinbares Eingehen auf denselben vermeiden möchte. Er halte daher den Vorschlag des Grafen Tisza für den richtigen. Wir müssten den Krieg mit Serbien fortsetzen und uns bereit erklären, mit den Mächten weiter zu verhandeln, sobald Russland seine Mobilisierung einstelle.