Komjáthy Miklós: Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1914–1918) (Magyar Országos Levéltár kiadványai, II. Forráskiadványok 10. Budapest, 1966)

Protokolle

Ministerrates nicht etwa notwendig erscheinende strategische Grenzberichtigun­gen unmöglich machen. Nachdem der k.u.k. Kriegsminister erklärt hat, dass er diesem Be­schlüsse zustimmen würde, jedoch nur unter der Bedingung, dass ausser einer Grenzberichtigung auch die dauernde Besetzung eines Brückenkopfes jenseits der Save, etwa des Schabatzer Kreises, hiedurch nicht ausgeschlossen werden dürfe, wird der nachstehende Beschluss einstimmig gefasst : Der gemeinsame Ministerrat beschliesst auf Antrag des königlich ungarischen Ministerpräsidenten, dass sofort bei Beginn des Krieges den fremden Mächten erklärt werde, dass die Monarchie keinen Eroberungskrieg führt und nicht die Einverleibung des Königreiches beabsichtigt. Natürlich sollen strategisch notwen­dige Grenzberichtigungen sowie die Verkleinerung Serbiens zu Gunsten anderer Staaten sowie eventuell notwendige vorübergehende Besetzungen serbischer Ge­bietsteile durch diesen Beschluss nicht ausgeschlossen werden. Der Vorsitzende konstatiert hierauf, dass erfreulicherweise in allen Fra­gen vollständige Einmütigkeit erzielt worden sei und hebt hierauf den Ministerrat auf. Original-Reinschrift. — Die Einsichtnahme wurde auf dem Mantelbogen des Protokolls von sämtlichen Teilnehmern des Ministerrates bestätigt. In der rechten oberen Ecke dieses Bogens mit Bleistift geschrieben: »f(ertig)«. Auf dem letzten Blatt die Kenntnisnahme durch den Herrscher: »Wien, am 5. August 1914.« Am Rand des Blattes rechts die Unterschrift Berchtolds, links die des Protokollführers Hoyos. — Ebd. das handschriftliche Konzept des Protokolls mit einigen belanglosen Korrek­turen. (Ohne Handzeichen.) 3. Wien, 31. Juü 1914 Beschluß, das Friedensvermittlungsangebot Großbritanniens in höflicher Form abzuleh­nen. Debatte über die Befriedigung der territorialen Ansprüche Italiens auf der Grund­lage des Dreibundes. Diese Ministerkonferenz ist vom Gesichtspunkt der Ausweitung des Konflikts zwischen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und Serbien zu einem Weltkriege von ausschlaggebender Bedeutung. Der britische Außenminister Grey hatte wiederholt (zuletzt noch vier Tage vor diesem Ministerrat, am 27. Juli) durch den Londoner Botschafter des Deutschen Reiches, den Fürsten Lichnowsky, vorgeschlagen, die vier unmittelbar nichtinteressierten Großmächte (Großbritannien, Frankreich, Deutsch­land und Italien) sollten in dem Falle, daß Rußland an der Seite Serbiens auftrete, zwischen den Parteien vermitteln. Die deutsche Reichsregierung hat das Angebot — wie auch aus dem zum Protokoll beigefügten »Tagesbericht« hervorgeht — an die Regierung der Monarchie weitergeleitet. Die gemeinsame Ministerkonferenz hat jedoch das britische Angebot, wenn auch taktvoll und von Bedingungen abhängig, abgelehnt. Nicht zuletzt auch darum, weil der deutsche Reichskanzler Bethmann­Hollweg selbst den Schein meiden wollte, daß er die Entscheidung der Regierung der Monarchie beeinflusse. In seinen mündlichen Mitteilungen hat er dies auch mehrfach

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