Komjáthy Miklós: Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1914–1918) (Magyar Országos Levéltár kiadványai, II. Forráskiadványok 10. Budapest, 1966)

Protokolle

Hierauf verlässt der Chef des Generalstabes und der Vertreter des Marine­kommandanten den Ministerrat, der sich mit der inneren Situation in Bosnien und den daselbst zu ergreifenden Massnahmen befasst. Hiezu ergreift der gemein­same Finanzminister das Wort und erklärt, er habe aus Konferenzen, die er in den letzten Tagen mit Parteiführern gepflogen, die Überzeugung gewon­nen, dass eine Auflösung des Landtages nicht ratsam wäre, weil sie mit politischen Verlusten verbunden wäre. Jetzt könne man wegen der allgemeinen Erregung der Gemüter keine Sitzungen abhalten und er wolle daher den Landtag schliessen und erst im September für eine kurze Session einberufen. Er hoffe, dass es dann mög­lich sein werde, das Budget und die Kmetenvorläge votieren zu lassen ; dies hänge in erster Linie davon ab, dass Dimovich — wie er hoffe — die Parteileitung der regierungsfreundlichen Serben nicht aus der Hand gebe und so den Bestand der gegenwärtigen Regierungsmajorität ermögliche. Mit der Schliessung des Landta­ges hörten die Diäten und auch die Immunität der Abgeordneten auf, so dass der diesbezügliche Wunsch des Landeschefs und auch des Kriegsministers erfüllt werde, auch wenn er den Landtag nicht auflöse. Herr von Biliiiski bespricht so­dann eine Reihe anderer Massregeln, welche er für zweckmässig hält, darunter die Auflösung des grossen serbischen Vereines Posveta. Der kgl. ung. Ministerpräsident will jetzt keine grösseren Verände­rungen vorschlagen. Er verweist neuerlich auf die Zustände in der Polizei von Sarajevo und erklärt, der Niedergang des administrativen Apparates in Bosnien sei die direkte Folge der seit einigen Jahren bestehenden präponderierenden Stellung des Landeschefs, der als Militär unmöglich jene Erfahrung in admi­nistrativer Hinsicht besitzen könnte, die für eine gute Verwaltung notwen­dig sei. Der gemeinsame Finanzminister verteidigt den Landeschef auch als Administrator, gibt aber zu, dass es wünschenswert wäre, wenn die Zivil­verwaltung von der Militärverwaltung ganz getrennt und ein Statthalter wie in Dalmatien neben den Armeeinspektor eingesetzt würde. Es werden sodann an der Hand eines Vorschlages des k.u.k. Kriegsministers spezielle Massnahmen besprochen, welche in Bosnien verfügt werden sollen. Hiebei tritt die übereinstimmende Ansicht aller Anwesenden zutage, dass einige Vorschläge General Krobatins anzunehmen wären, andere aber zu weit gehen, dass es aber im allgemeinen nicht möglich sei, über interne Verwaltungsmassregeln Definitives festzustellen, bevor über die Hauptfrage, ob der Krieg gegen Serbien geführt werden soll, eine Entscheidung gefallen sei. Der Vorsitzende konstatiert, dass wenn auch noch immer eine Diver­genz zwischen den Ansichten aller Teilnehmer und jener des Grafen Tisza bestehe, man sich nähergekommen sei, nachdem auch die Vorschläge des königl. ungar. Ministerpräsidenten aller Wahrscheinlichkeit nach zu der von ihm und den übrigen Mitgliedern der Konferenz für notwendig gehaltenen kriegerischen Auseinander­setzung mit Serbien führen werden. Graf Berchtold teilt dem Ministerrate mit, dass er die Absicht habe, am 8. d.M. nach Ischl zu reisen und Seiner k. und k. Apostolischen Majestät Vortrag zu erstat­ten. Der kgl. ung. Ministerpräsident bittet den Vorsitzenden, Seiner

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