Komjáthy Miklós: Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1914–1918) (Magyar Országos Levéltár kiadványai, II. Forráskiadványok 10. Budapest, 1966)
Protokolle
Majestät auch eine von ihm zu verfassenden allerunterthänigsten Vortrage über seine Auffassung der Lage zu unterbreiten. Nachdem ein Communiqué für die Presse aufgesetzt worden ist, hebt der Vorsitzende die Sitzung auf. Original-Reinschrift. — Der Mantelbogen (»zur Einsicht«) wurde von sämtlichen Teilnehmern des Ministerrats unterschrieben. In der rechten oberen Ecke mit Bleistift blaß geschrieben: »f(ertig)«. — Auf dem letzten Blatt die Kenntnisnahme durch den Herrscher: »Wien, am 16. August 1914.« Am unteren Rand des Blattes rechts die Unterschrift Berchtolds, links die von Hoyos. — Ebd. das handschriftliche Konzept mit unzähligen, hauptsächlich aus der Feder Berchtolds stammenden Korrekturen, oft ganz beträchtlichen Einschaltungen. Der Minister des Äußern hat im Konzept den Teil gestrichen, der die einzelnen Punkte der Forderungen der Monarchie an Serbien enthielt. In der Reinschrift verblieb lediglich, daß diese Punkte besprochen wurden. 2. Wien, 19. Juli 1914 Fragen im Zusammenhang mit dem Ultimatum an Serbien und mit der Mobilmachung. Stellungnahme Tiszas gegen eine Annexion serbischer Gebiete. Der Ministerrat behandelte vor der Tagesordnung das an Serbien zu richtende Ultimatum. Der Text des Ultimatums wurde weder ins Konzept noch in die endgültige Fassung des Protokolls aufgenommen. In dieser Sitzung wurde im wesentlichen die Debatte vom 7. Juli fortgesetzt. Der ungarische Ministerpräsident berief sich bei Darlegung seines annexionsfeindlichen Standpunktes auf seine Ausführungen zu dieser Frage in der Beratung vom 7. Juli. Seine, die Annexion Serbiens ablehnende Meinung hat er jedoch nur im allgemeinen, mit innerpolitischen Gesichtspunkten motiviert. Darüber, daß er im Falle einer Einverleibung größerer slawischer Massen in das Gebiet Österreich-Ungarns um den Dualismus und innerhalb dessen um die Hegemonie des Ungarntums besorgt war, sprach er nicht. Diesen Standpunkt, der die Politik der ungarischen Regierung grundlegend bestimmte und der bis in die letzten Tage der Monarchie eines der größten Hindernisse selbst für eine nur oberflächliche Änderung der Struktur der Monarchie war, hat er im gemeinsamen Ministerrat vom 6. Oktober 1915 detailliert dargelegt. Protokoll des zu Wien am 19. Juli 1914 abgehaltenen Ministerrates für gemeinsame Angelegenheiten, unter dem Vorsitze des Ministers des k.u.k. Hauses und des Äußern Grafen Berchtold. K.Z. 50.-G.M.K.P.Z. 513. Gegenwärtige : der k.k. Ministerpräsident Graf S t ü r g k h, der kgl. ung. Ministerpräsident Graf Tisza, der k.u.k. gemeinsame Finanzminister Dr. Ritter d) Korrektur Tiszas, in der Reinschrift stand ursprünglich »von ihm verfaßte Aufzeichnung«.