Komjáthy Miklós: Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1914–1918) (Magyar Országos Levéltár kiadványai, II. Forráskiadványok 10. Budapest, 1966)

Protokolle

2. dass der Ministerrat bereit wäre, sich der Ansicht des königl. ungar. Mini­sterpräsidenten anzuschliessen, wonach erst mobilisiert werden solle, nachdem konkrete Forderungen an Serbien gerichtet und dieselben zurückgewiesen, sowie ein Ultimatum gestellt worden ist. Dagegen sind alle Anwesenden mit Ausnahme des königl. ungar. Ministerprä­sidenten der Ansicht, dass ein rein diplomatischer Erfolg, wenn er auch mit einer eklatanten Demütigung Serbiens enden würde, wertlos wäre und dass daher solche weitgehende Forderungen an Serbien gestellt werden müssten, die eine Ablehnung voraussehen Hessen, damit eine radikale Lösung im Wege militärischen Eingreifens angebahnt würde. Graf Tisza bemerkt, dass er bestrebt sei, dem Standpunkte aller anderen Anwesenden entgegenzukommen und daher auch insoferne eine Konzession machen würde, als er zugeben wolle, dass die an Serbien zu richtenden Forderungen sehr harte sein sollten, jedoch nicht solcher Art, dass man unsere Absicht, unannehm­bare Forderungen zu stellen, klar erkennen könne. Sonst hätten wir eine unmög­liche rechtliche Grundlage für eine Kriegserklärung. Der Text der Note müsse sehr genau studiert werden und er würde jedenfalls Wert darauf legen, die Note zur Einsicht zu erhalten, bevor sie abgesendet werde. Auch müsse er betonen, dass er für seine Person genötigt wäre, die Konsequenzen daraus zu ziehen, wenn sein Standpunkt nicht berücksichtigt werde. Hierauf wird die Sitzung bis zum Nachmittag unterbrochen. Beim Wiederzusammentritte des Ministerrates ist auch der Chef des General­stabes und der Stellvertreter des Marinekommandanten anwesend. Der Kriegsminister ergreift auf Wunsch des Vorsitzenden das Wort, um an den Chef des Generalstabes nachstehende drei Fragen zu richten : 1. Ob es möglich wäre nur gegen Serbien zu mobilisieren und erst nachträglich, wenn sich die Notwendigkeit dazu ergibt, auch gegen Russland, 2. ob man zur Einschüchterung Rumäniens grössere Truppenmengen in Sie­benbürgen zurückhalten könnte und 3. wo man den Kampf gegen Russland aufnehmen würde. Der Chef des Ge­neralstabes gibt auf diese Anfragen geheime Aufklärungen und ersucht darum, dass dieselben nicht in das Protokoll aufgenommen werden mögen. Es entspinnt sich auf Grund dieser Aufklärungen eine längere Debatte über die Kräfteverhältnisse und den wahrscheinlichen Verlauf eines europäischen Krieges, die sich wegen ihres geheimen Charakters nicht zur Aufnahme in das Protokoll eignet. Am Schlüsse dieser Debatte wiederholt der kgl. ung. Ministerpräsi­dent seinen früheren Standpunkt hinsichtlich der Kriegsfrage und richtet einen neuerlichen Appell an die Anwesenden, sie möchten ihre Entscheidung sorgfältig prüfen. Es werden hierauf die Punkte besprochen welche als Forderungen an Serbien in der Note aufgenommen werden könnten. Es wurde bezüglich dieser Punkte im Ministerrate kein definitiver Beschluss gefasst, sie würden nur aufgestellt, um ein Bild darüber zu erlangen, welche For­derungen gestellt werden könnten.

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