Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.
Dr. Eduard Straßmayr: Das Archiv der Kirchdorf-Micheldorfer Sensenwerksgenossenschaft im Landesarchiv zu Linz
Das Archiv der Kirchdorf-Micheldorfer Sensenwerksgenossenschaft zu Linz. 79 Schaffung eines Kastens auf der Herberge und die Deponierung der Schriften dortselbst aufzutragen.1) Vier Jahre später treffen wir einen um das oberösterreichische Archivwesen des 18. Jahrhunderts hochverdienten Mann, Johann Adam Wolfgang Trauner, im Dienst der Zunft. In den Jahren 1766 bis 1768 hatte er bereits die Herrschaftsarchive von Schwertberg, Leonstein und Pernstein mit Fleiß und Sachkenntnis geordnet. Am 1. Mai 1768 begann er seine Tätigkeit in Kirchdorf. Die Arbeiten beschränkten sich nicht etwa auf eine Inventarisierung der seit 1739 zugewachsenen Akten, Trauner legt sich vielmehr ein von Grund auf neues Ordnungsprinzip zurecht. Die In ventare von 1710 und 1739 gaben nur eine kurze Orientierung über den Inhalt des gesamten Bestandes, er hingegen wollte Stück für Stück verzeichnen und die Begesten zu einem den praktischen Bedürfnissen entsprechenden Nachsehlagebuch vereinigen. Wenn wir das Bepertorium, einen mächtigen Schweinslederfolianten, durchblättern, müssen wir Trauners Arbeitskraft bewundern, die es zustande brachte, in dem kurzen Zeitraum von zwei Monaten die umfangreiche Arbeit zum Abschluß zu bringen. Wie aus einer spezifizierten Rechnung Trauners über die Einrichtung der Begistratur2) hervorgeht, wurde ein Kasten mit 36 Laden angefertigt, von denen 24 für die Aufnahme der vorhandenen Akten bestimmt waren, während die übrigen 12 einem späteren Zuwachs Bechnung trugen. In den fortlaufend numerierten und mit den Buchstaben A—Z signierten Laden lagen die Schriften mit Umschlägen versehen, welche kurze Begesten trugen, nach Materien geordnet in chronologischer Beihenfolge. Über das bis zum Jahre 1768 inventarisierte Material legte Trauner ein sorgfältig gearbeitetes, nach Personen und Sachen geordnetes alphabetisches Begister an, nach welchem jedes gewünschte Stück sofort im Begistraturkasten gefunden werden konnte.3) Bei jedem Schlagwort stand ein kurzes Be- gest von dem betreffenden Stück, die Jahreszahl und Ladensignatur. Am 28. Juni hatte Trauner seine Aufgabe beendet4) und für seine Mühewaltung 30 Gulden Besoldung erhalten. Vor seinem Abgang verl) A. a. 0. Band 5, Nr. 40. 3) A. a. 0. Band 18, Nr. 27/14. 3) Neun Jahre später hat Trauner das Marktarchiv Kirchdorf nach den gleichen Gesichtspunkten geordnet. Siehe meine Abhandlung »Das Archiv der Marktkommune Kirchdorf in Oberösterreich« in Mitteilungen des k. k. Arehivrates, 2, 87 ff. 4) Wir N. und N. geordnete zöch- und fürmeister eines ehrsamen handwerks deren sensensehmieden zu Kirch- und Miheldorf des erzherzogthums Österreich ob der Enns attestiren hiemit, wie das vorweisen dieses, der wohl edelgebohrene herr Johann Adam Wolfgang Trauner aus Böhmen, unsere auf der handwerksherwereh befundene Schriften den 1. Maj anni currentis zu sortiren und registriren übernohmen, auch sodann Schriften bis um in alphabetischer Ordnung zu unsern großen vergnügen, getalten