Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.

Dr. Eduard Straßmayr: Das Archiv der Kirchdorf-Micheldorfer Sensenwerksgenossenschaft im Landesarchiv zu Linz

80 Dr. Eduard Straßmayr. faßte er noch, ein »Titular-Buch«1), das die den oberösterreichischen Prälaten, dem Landeshauptmann, mehreren Grafen und Baronen, Hof­richtern und herrschaftlichen Pflegern gebührenden Titulaturen ent­hielt und wahrscheinlich dem Handwerkschreiber zum Kanzleigebrauch dienen sollte. In der Folgezeit finden wir den überaus tüchtigen Registrator im Dienst verschiedener geistlicher und weltlicher Herrschaften. Die Stifte Kremsmünster, Lambach, Schlierbach und Spital betrauten ihn mit der Ordnung ihrer Kloster- und Herrschaftsarchive, die Schloßbesitzer von Weinberg, Sallaberg und Pernstein ließen durch ihn eine Inventarisie­rung ihrer alten Schriften vornehmen. Zu Beginn des Jahreá 1785 tauchte er auf einmal wieder bei den Kirchdörfer Sensenschmieden auf. Hier trug er die Akten seit 1768 in das große Repertorium ein und legte noch ein »Compendium über das bei dem ehrsamen Sensschmid-Handwerck befündlich neu errichtete Ar- chiv-Protoeoll« auf der Handwerksherberge an, das eine kurze Inhalts­angabe der Laden 1—24 bietet. Viele oberösterreichische Archive hat Trauner im Laufe von dreißig Jahren geordnet, so manche aber sind seither wieder in Unordnung ge­raten und verschleppt worden. Dieses Schicksal der Entfremdung ist erfreulicherweise dem Archiv der Sensenschmiede erspart geblieben. Die alte Tradition, jene schriftlichen Dokumente, welche die große Vergan­genheit der Sensenindustrie widerspiegeln, sorgsam zu hüten, ist bei den Zunftvorstehern stets liochgehalten worden. Gerade im 19. Jahrhun­dert, das leider vielfach kein Verständnis für die Erhaltung archivali- scher Schätze bekundete und Archivbeständen im Land ob der Enns oft in vandalischer Weise zusetzte, läßt sich bei den Sensenschmieden eine rege Fürsorge für ihre Archivalien wahrnehmen. Von ganz gering­fügigen Bruchstücken abgesehen, ist das Archiv, wie es zu Trauners Zeiten bestand, heute ganz intakt erhalten. Auch den späteren Akten wurde ein besonderes Augenmerk zugewendet. So sind in losen Heften die von 1807 bis 1853 bei der Handwerkskanzlei eingelaufenen und zur Erledigung gekommenen Akten verzeichnet2) und gemäß einem ein jeder unserer Mitmeister die eingeriehte registratur verstehen und die betretende sehriften aufsuehen kann, zusamengerichtet, folglich nach Vollendung dieser mühsamen arbeit anheut dato von uns Urlaub genohmen habe. Urkund dessen eines ersamen handwerk hierunter getruokte insigls fertigung. Geben auf unserer handwerksherberg in markt Kirchdorf den 28. Juni anno 1768. N. und N. zöch- und fürmeister alda. Gleichzeitige Abschrift. Landesarchiv Linz, Stiftsarchiv Gleink, Arehivge- schichtliehes. l) A. a. 0. Band 22, Nr. 64.-) A. a. 0. Band 21, Nr. 58.

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